FKA

Benedikt Zoller Coaching

Firmenkundenakademie

AkademieK-01 Finanzanalyse & KreditexpertiseBilanzlesen für Praktiker

M01

Bilanzlesen für Praktiker

Jahresabschlüsse sicher lesen und für das Kundengespräch nutzen

Berater90 Min.Bloom 1–3

Position in der Kompetenzmatrix

K-01 Finanzanalyse & Kreditexpertise · Berater

Dieses Modul zahlt auf das Kompetenzfeld K-01 Finanzanalyse & Kreditexpertise ein und adressiert die Entwicklungsstufe Berater.

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Dieses Modul wird derzeit als Lernvideo aufbereitet und bald verfügbar sein.

Stand: v0.3 · Benedikt Zoller Coaching


Kapitel

Modulinhalte


4.1 Theorie-Input 1: HGB-Bilanzstruktur (≤ 2 Seiten)

Modul M01 – Bilanzlesen für Praktiker | Handout 1

Was ist eine Bilanz?

Die Bilanz ist eine stichtagsbezogene Gegenüberstellung aller Vermögenswerte eines Unternehmens (Aktivseite) und aller Finanzierungsquellen (Passivseite). Sie ist Pflichtbestandteil des Jahresabschlusses nach § 242 HGB. Für Kapitalgesellschaften (GmbH, AG) gilt die Gliederungsvorschrift des § 266 HGB. Die Grundregel lautet stets:

Bilanzsumme Aktiva = Bilanzsumme Passiva

Aktivseite (Mittelverwendung)

Die Aktivseite zeigt, wofür das Kapital eingesetzt wurde.

A. Anlagevermögen – dauerhaft dem Betrieb dienende Güter und Rechte:

  • I. Immaterielle Vermögensgegenstände: Software, Patente, entgeltlich erworbener Geschäftswert
  • II. Sachanlagen: Grundstücke, Gebäude, Maschinen, Fuhrpark, Betriebs- und Geschäftsausstattung
  • III. Finanzanlagen: Beteiligungen, Ausleihungen an verbundene Unternehmen

B. Umlaufvermögen – kurzfristig gebundene Werte, die im Betrieb zirkulieren:

  • I. Vorräte: Roh-, Hilfs- und Betriebsstoffe; unfertige/fertige Erzeugnisse
  • II. Forderungen aus Lieferungen und Leistungen (FuL): Noch ausstehende Kundenzahlungen
  • III. Sonstige Vermögensgegenstände: Vorauszahlungen, Steuerforderungen
  • IV. Kassenbestand / Bankguthaben: Flüssige Mittel

C. Rechnungsabgrenzungsposten (RAP aktiv): Vorauszahlungen für zukünftige Perioden

Passivseite (Mittelherkunft)

Die Passivseite zeigt, woher das Kapital stammt.

A. Eigenkapital – von Gesellschaftern bereitgestellt oder durch Gewinne einbehalten:

  • I. Gezeichnetes Kapital: Stammkapital (GmbH: mind. 25.000 EUR) oder Grundkapital (AG)
  • II. Kapitalrücklage: Über den Nennwert eingezahlte Beträge
  • III. Gewinnrücklagen: Thesaurierte Gewinne aus Vorjahren
  • IV. Jahresüberschuss / Jahresfehlbetrag: Ergebnis des laufenden Geschäftsjahres

B. Rückstellungen – ungewisse Verbindlichkeiten (z.B. Pensionen, Gewährleistungen, Steuern)

C. Verbindlichkeiten – sichere, bezifferbare Zahlungspflichten:

  • Langfristig (> 1 Jahr): Bankdarlehen, Anleihen
  • Kurzfristig (≤ 1 Jahr): Verbindlichkeiten aus Lieferungen und Leistungen, Steuerverbindlichkeiten, kurzfristige Bankverbindlichkeiten

D. Rechnungsabgrenzungsposten (RAP passiv): Vorauszahlungen von Kunden

Die vier zentralen Bilanzkennzahlen

KennzahlFormelAussageOrientierungswert (produzierendes Gewerbe)
EigenkapitalquoteEigenkapital ÷ Bilanzsumme × 100Eigenfinanzierungsgrad; Pufferfähigkeit gegen VerlusteGut: > 30 %; Kritisch: < 10 %
Anlagendeckungsgrad IEigenkapital ÷ Anlagevermögen × 100Wird das AV durch EK allein gedeckt? (Goldene Bilanzregel eng)Gut: > 100 %
Anlagendeckungsgrad II(Eigenkapital + langfr. FK) ÷ Anlagevermögen × 100Wird das AV durch langfristige Mittel gedeckt? (Goldene Bilanzregel weit)Gut: > 100 %; Warnsignal: < 80 %
Current Ratio (Liquidität 3. Grades)Umlaufvermögen ÷ kurzfristige Verbindlichkeiten × 100Kann das UV die kurzfristigen Schulden decken?Gut: > 200 %; Kritisch: < 100 %

Working Capital (ergänzend): Umlaufvermögen − kurzfristige Verbindlichkeiten (in EUR absolut) Positiver Wert = Liquiditätspuffer. Negativer Wert = kurzfristiger Finanzierungsbedarf.

Ausblick – Kapitaldienstfähigkeit (KDF): Die wichtigste Kennzahl für die Kreditentscheidung fehlt in dieser Liste bewusst – sie ist Gegenstand von M02. Zur Orientierung: Die KDF misst, ob ein Unternehmen seinen Schuldendienst (Zins + Tilgung) aus dem laufenden Cashflow leisten kann. Vereinfacht: KDF = (Jahresüberschuss + Abschreibungen) ÷ Jahreskapitaldienst. Ein Wert ≥ 1,2 gilt als solide. Beim Metallbau-Case (EBIT-Einbruch −39 %, Zinsaufwand +62 %) wäre die KDF das erste, was ich nach der Kennzahlenrechnung prüfen würde.

Merksatz: Kennzahlen sind nie isoliert zu betrachten. Eine niedrige Eigenkapitalquote kann bei einer GmbH mit stabiler Hausbankbeziehung und langfristigen Kreditlinien unproblematisch sein – während dasselbe Ergebnis bei einem Unternehmen mit sinkenden Umsätzen ein ernstes Warnsignal darstellt.


4.2 Theorie-Input 2: GuV-Grundstruktur (≤ 1 Seite)

Modul M01 – Bilanzlesen für Praktiker | Handout 2

Die Gewinn- und Verlustrechnung (GuV)

Die GuV erklärt, wie das Jahresergebnis entstanden ist. Sie zeigt alle Erträge und Aufwendungen des Geschäftsjahres in zeitlicher Zuordnung (Periodenprinzip, § 252 Abs. 1 Nr. 5 HGB). Das Gesamtkostenverfahren nach § 275 Abs. 2 HGB ist die in Deutschland häufigste Form für KMU.

Stufenschema GuV (Gesamtkostenverfahren)

Umsatzerlöse                                             (z.B. 4.800.000 EUR)
± Bestandsveränderungen / aktivierte Eigenleistungen
= Gesamtleistung

– Materialaufwand                  (Roh-, Hilfs-, Betriebsstoffe; Fremdleistungen)
– Personalaufwand                  (Löhne, Gehälter, Sozialabgaben)
– Abschreibungen                   (auf Sachanlagen und immaterielle Vermögensgeg.)
– Sonstige betriebliche Aufwendungen
+ Sonstige betriebliche Erträge

= EBIT (Earnings Before Interest and Taxes)
  = Betriebsergebnis / Operatives Ergebnis

– Zinsaufwand (Finanzierungskosten)
+ Zinserträge
= EBT (Earnings Before Taxes)
  = Ergebnis vor Steuern

– Ertragsteuern (Körperschaft- und Gewerbesteuer)
= Jahresüberschuss / Jahresfehlbetrag

Warum EBIT so wichtig ist

Das EBIT zeigt die operative Ertragskraft des Unternehmens – unabhängig davon, wie es finanziert ist und wie hoch die Steuerlast ist. Damit lassen sich verschiedene Unternehmen oder Branchen direkt vergleichen. Als Berater interessiert Sie besonders: Wie hat sich das EBIT über die Jahre verändert? Ist es stabil, wächst es, oder bricht es ein?

Praxishinweis – EBIT selbst herleiten: Im HGB-Jahresabschluss kleiner GmbHs steht das EBIT oft nicht explizit ausgewiesen. Sie leiten es selbst ab: EBIT = Jahresüberschuss + Ertragsteuern + Zinsaufwand − Zinserträge Diese Herleitung wenden Sie direkt am Praxiscase an – die Bilanz der Metallbau Schwaben GmbH weist kein EBIT aus, Sie ermitteln es aus den GuV-Positionen.

EBIT-Marge = EBIT ÷ Umsatzerlöse × 100

Beispiel: EBIT 192.000 EUR ÷ Umsatz 4.800.000 EUR = 4,0 % Branchendurchschnitt Metallverarbeitung (WZ 25): ca. 4–8 % in stabilen Jahren; unter 3 % als Warnsignal (Deutsche Bundesbank, Unternehmensabschlussstatistik [Q-072]; Statistisches Bundesamt, Unternehmensregister)


4.3 Praxiscase: Metallbau Schwaben GmbH

Modul M01 – Bilanzlesen für Praktiker | Praxiscase


Fallbeschreibung

Die Metallbau Schwaben GmbH ist ein mittelständischer Metallverarbeitungsbetrieb mit Sitz im Großraum Augsburg. Das Unternehmen wurde 1987 gegründet und wird in zweiter Generation von Geschäftsführer Thomas Mayer (53) geleitet. Das Unternehmen ist spezialisiert auf Präzisionsteile für den Maschinenbau und beliefert vorwiegend regionale Tier-1-Zulieferer. Der Kundenstamm ist auf wenige Großkunden konzentriert (Top 3 Kunden: ca. 65 % des Umsatzes).

Eckdaten:

  • Branche: Metallverarbeitung / Zulieferer Maschinenbau (WZ 25)
  • Mitarbeiter: 31 (davon 6 Auszubildende)
  • Rechtsform: GmbH
  • Jahresabschluss: Pflicht nach HGB §§ 242 ff., §§ 264 ff.
  • Hausbankbeziehung: Volksbank Augsburg-Umland eG (seit 18 Jahren)
  • Aktuelle Kreditverbindlichkeiten: Investitionsdarlehen Maschinenpark (Restschuld 420.000 EUR, läuft bis 2028), Kontokorrentlinie 300.000 EUR (aktuell zu 85 % ausgenutzt)
  • Der letzte Jahresabschluss (Jahr 2) wurde gemäß § 18 KWG vorgelegt; der Abschluss für Jahr 1 liegt ebenfalls vor.

Bilanz Metallbau Schwaben GmbH (in TEUR, zum 31.12.)

AKTIVAJahr 1Jahr 2
A. Anlagevermögen
I. Immaterielle Vermögensgegenstände1812
II. Sachanlagen
  – Grundstücke und Gebäude320310
  – Technische Anlagen und Maschinen485610
  – Betriebs- und Geschäftsausstattung5248
Sachanlagen gesamt857968
III. Finanzanlagen2525
Anlagevermögen gesamt9001.005
B. Umlaufvermögen
I. Vorräte145210
II. Forderungen aus Lieferungen und Leistungen380425
III. Sonstige Vermögensgegenstände1822
IV. Kassenbestand / Bankguthaben11238
Umlaufvermögen gesamt655695
C. Rechnungsabgrenzungsposten87
BILANZSUMME AKTIVA1.5631.707
PASSIVAJahr 1Jahr 2
A. Eigenkapital
I. Gezeichnetes Kapital5050
II. Kapitalrücklage3030
III. Gewinnrücklagen185233
IV. Jahresüberschuss6248
Eigenkapital gesamt327361
B. Rückstellungen
Pensionsrückstellungen8592
Steuerrückstellungen2822
Sonstige Rückstellungen3542
Rückstellungen gesamt148156
C. Verbindlichkeiten
Verbindlichkeiten gegenüber Kreditinstituten (langfr. > 1 Jahr)480545
Verbindlichkeiten gegenüber Kreditinstituten (kurzfr. ≤ 1 Jahr)135255
Verbindlichkeiten aus Lieferungen und Leistungen298284
Sonstige Verbindlichkeiten175106
Verbindlichkeiten gesamt1.0881.190
BILANZSUMME PASSIVA1.5631.707

Hinweis: Die Bilanzsummen auf Aktiv- und Passivseite sind für jedes Jahr ausgeglichen (Jahr 1: 1.563 TEUR, Jahr 2: 1.707 TEUR). Eine korrekte HGB-Bilanz ist stets ausgeglichen – das ist ein gesetzliches Erfordernis. Wenn Ihnen im Berufsalltag eine Bilanz vorgelegt wird, die nicht aufgeht: das ist ein Qualitäts- oder Vollständigkeitsproblem und muss vor der Analyse geklärt werden.


GuV Metallbau Schwaben GmbH (in TEUR, Geschäftsjahr)

PositionJahr 1Jahr 2
Umsatzerlöse4.6204.800
Bestandsveränderungen+15+35
Gesamtleistung4.6354.835
– Materialaufwand2.3182.545
– Personalaufwand1.4851.560
– Abschreibungen98125
– Sonstige betriebliche Aufwendungen385398
+ Sonstige betriebliche Erträge2218
= EBIT371225
– Zinsaufwand4268
+ Zinserträge31
= EBT332158
– Ertragsteuern (ca. 30 %)9847
– Entnahmen / Gewinnverwendung (Ausschüttungen)17263
= Jahresüberschuss (verbleibend in der GmbH)6248

Didaktischer Hinweis: Die Zeile "Entnahmen / Ausschüttungen" ist in der HGB-GuV selbst nicht enthalten – sie erscheint in der Gewinnverwendungsrechnung. In diesem vereinfachten Praxiscase ist sie eingebettet, um zu zeigen, wie das Ergebnis auf den Bilanzposten "Jahresüberschuss" führt. Im echten Jahresabschluss würden Sie die Gewinnverwendung im Anhang finden.


Aufgaben für die Gruppenarbeit (45–65 Min)

Aufgabe 1: Kennzahlen berechnen (ca. 8 Min)

Berechnen Sie die folgenden Kennzahlen für beide Jahre und tragen Sie die Ergebnisse in das Kennzahlen-Arbeitsblatt ein. Nutzen Sie die Formeln aus Handout 1.

a) Eigenkapitalquote b) Anlagendeckungsgrad I c) Anlagendeckungsgrad II (langfristiges FK = Bankverbindlichkeiten > 1 Jahr) d) Current Ratio (kurzfristige Verbindlichkeiten = Bankverb. kurzfr. + Verbindlichkeiten LuL + Sonstige Verbindlichkeiten) e) Working Capital (in TEUR) f) EBIT-Marge (Bonus, falls Zeit verbleibt)

Aufgabe 2: Veränderungen interpretieren (ca. 5 Min)

Vergleichen Sie Jahr 1 und Jahr 2. Was fällt Ihnen auf? Notieren Sie mindestens drei auffällige Veränderungen und beschreiben Sie, was diese aus Sicht der Bank bedeuten könnten. Orientieren Sie sich: Was hat sich verbessert, was hat sich verschlechtert, was ist erklärungsbedürftig?

Aufgabe 3: Gesprächsfragen formulieren (ca. 3 Min)

Sie treffen Herrn Mayer (GF) zum jährlichen Bilanzgespräch. Formulieren Sie zwei konkrete Fragen, die Sie ihm stellen würden – jede Frage muss durch einen konkreten Befund aus der Bilanzanalyse begründet sein.

Hinweis: Der Fallbeschreibung entnehmen Sie, dass die Top-3-Kunden ca. 65 % des Umsatzes ausmachen. Berücksichtigen Sie dieses Klumpenrisiko bei mindestens einer Ihrer Fragen.

Aufgabe 4: Handlungsbedarf beurteilen (ca. 1 Min)

Gibt es aus Ihrer Sicht als Berater Handlungsbedarf? Berücksichtigen Sie:

  • § 18 KWG (wurden die Kreditunterlagen ordnungsgemäß vorgelegt?)
  • Die bestehende Kreditverbindlichkeit (Investitionsdarlehen + Kontokorrent)
  • Ihre Kennzahlenergebnisse
  • Mögliche Verbundansätze (R+V, Union Investment, etc.)

4.4 Kennzahlen-Arbeitsblatt (ausfüllbar)

Modul M01 – Bilanzlesen für Praktiker | Arbeitsblatt

Metallbau Schwaben GmbH – Kennzahlenrechnung

KennzahlFormelJahr 1 BerechnungJahr 1 ErgebnisJahr 2 BerechnungJahr 2 Ergebnis
EigenkapitalquoteEK ÷ Bilanzsumme × 100___ ÷ ___ × 100____ %___ ÷ ___ × 100____ %
AV-Deckungsgrad IEK ÷ AV × 100___ ÷ ___ × 100____ %___ ÷ ___ × 100____ %
AV-Deckungsgrad II(EK + langfr. FK) ÷ AV × 100(___ + ___) ÷ ___ × 100____ %(___ + ___) ÷ ___ × 100____ %
Current RatioUV ÷ kurzfr. VB × 100___ ÷ ___ × 100____ %___ ÷ ___ × 100____ %
Working CapitalUV − kurzfr. VB___ − _______ TEUR___ − _______ TEUR
EBIT-Marge (Bonus)EBIT ÷ Umsatz × 100___ ÷ ___ × 100____ %___ ÷ ___ × 100____ %

Meine drei wichtigsten Beobachtungen aus dem Jahresvergleich:

  1. ________________________________________________________________

  2. ________________________________________________________________

  3. ________________________________________________________________

Meine zwei Fragen an den Geschäftsführer (mit Begründung):

Frage 1: ___________________________________________________________

Begründung: _______________________________________________________

Frage 2: ___________________________________________________________

Begründung: _______________________________________________________


4.5 Reflexionsfragen

Modul M01 – Bilanzlesen für Praktiker | Reflexion

Nehmen Sie sich nach dem Workshop 5 Minuten Zeit und beantworten Sie diese Fragen schriftlich für sich:

  1. Was war der wichtigste neue Gedanke, den Sie heute mitgenommen haben? (Konkret: Welche Kennzahl oder welcher Zusammenhang war für Sie neu oder überraschend?)

    _______________________________________________________________

  2. Welchen Kunden aus Ihrem eigenen Portfolio haben Sie beim Bearbeiten des Cases "im Kopf" gehabt? Was würde eine schnelle Kennzahlenanalyse bei diesem Kunden zeigen?

    _______________________________________________________________

  3. Was brauchen Sie noch, um die gelernten Inhalte sicher im nächsten Kundengespräch einzusetzen? (Welche Frage ist noch offen? Was möchten Sie nochmals nachschlagen?)

    _______________________________________________________________

  4. Was würden Sie Ihrem Teamkollegen morgen erzählen, wenn er Sie fragt: "Was habt ihr im Workshop gemacht – und was war nützlich?"

    _______________________________________________________________



Kapitel

Praxistransfer

5.1 Transferaufgabe für die nächsten 4 Wochen

Aufgabe: "Meine erste Bilanzkurzanalyse"

Ziel der Transferaufgabe ist es, die erlernten Kennzahlen einmal mit realen Kundendaten zu rechnen und damit den Übergang vom Workshop-Wissen zur Berufspraxis zu vollziehen (Kolb, 1984, Phase 4: Aktives Experimentieren [Q-008]).

Schritt-für-Schritt-Anleitung:

Woche 1 (bis spätestens 5 Arbeitstage nach dem Workshop):

  1. Wählen Sie einen bestehenden Firmenkunden aus Ihrem Portfolio, der Ihnen aus agree als bilanzierungspflichtiger Kunde bekannt ist (GmbH, GmbH & Co. KG oder AG; Umsatz idealerweise 1–10 Mio. EUR).
  2. Rufen Sie den aktuellsten verfügbaren Jahresabschluss aus agree / dem Kreditarchiv ab. Falls der letzte Jahresabschluss fehlt: Das ist bereits ein Befund – Handlungsbedarf gem. § 18 KWG. Tipp für Erst- oder Neukontakt: Auf bundesanzeiger.de sind die Jahresabschlüsse aller offenlegungspflichtigen Kapitalgesellschaften (GmbH, AG) öffentlich zugänglich – eine nützliche Recherchemethode zur Gesprächsvorbereitung, wenn noch keine Bankunterlagen vorliegen.
  3. Berechnen Sie die fünf Kennzahlen aus Handout 1 (EK-Quote, ADG I, ADG II, Current Ratio, Working Capital) mit dem Kennzahlen-Arbeitsblatt. Nutzen Sie die Zahlen aus dem Jahresabschluss exakt so, wie sie darin ausgewiesen sind.
  4. Notieren Sie: Welche zwei bis drei Fragen würden Sie dem Kunden aufgrund dieser Zahlen stellen?

Woche 2 (bis zwei Wochen nach dem Workshop):

  1. Führen Sie mit dem ausgewählten Kunden ein kurzes Anlassgespräch oder nutzen Sie einen bestehenden Terminanlass (Kontokorrentcheck, Darlehensüberprüfung). Stellen Sie dabei mindestens eine der notierten Fragen.
  2. Notieren Sie die Antwort des Kunden und Ihre eigene Beobachtung: Stimmte Ihre Interpretation mit der Realität überein? Was war anders als erwartet?

Woche 3–4:

  1. Schreiben Sie in agree / im CRM eine kurze Gesprächsnotiz (3–5 Sätze), die Ihre Kennzahlenbeobachtung und die Kundenantwort zusammenfasst.
  2. Identifizieren Sie auf Basis des Gesprächs: Gibt es einen konkreten Verbundansatz? Beispiel: Steigende Maschinenauslastung → R+V Betriebsunterbrechungsversicherung? Negativer Liquiditätstrend → Gespräch über Liquiditätspuffer mit Union Investment?

Erwartetes Ergebnis: Eine ausgefüllte Kennzahlenanalyse + eine Gesprächsnotiz in agree + ein identifizierter (oder begründet ausgeschlossener) Verbundansatz.

Datenschutz: Alle Kundendaten verbleiben in den bankinternen Systemen. Für diesen Transfer werden keine Kundendaten außerhalb von agree dokumentiert. Die Aufgabe dient ausschließlich Ihrer persönlichen Kompetenzentwicklung innerhalb des regulären Beratungsalltags.


5.2 Selbstcheck nach 4 Wochen

Beantworten Sie die folgenden Fragen ehrlich für sich. Kein Richtig oder Falsch – es geht um Ihre eigene Einschätzung des Lernfortschritts (Knowles, 1975: selbstgesteuertes Lernen [Q-009]):

  1. Habe ich die Transferaufgabe vollständig durchgeführt? ☐ Ja, vollständig (alle 8 Schritte abgeschlossen) ☐ Teilweise (welche Schritte fehlten? _________________) ☐ Nein (Grund: ______________________________)

  2. Konnte ich alle fünf Kennzahlen aus dem Gedächtnis berechnen, ohne das Handout zur Hand zu nehmen? (EK-Quote, ADG I, ADG II, Current Ratio, Working Capital) ☐ Ja, alle fünf Kennzahlen ☐ Drei oder vier (welche fehlte? _________________) ☐ Weniger als drei → Handout nochmals lesen, ggf. Lernpartnerin fragen

  3. Hat das Kennzahlengespräch mit dem Kunden wie erwartet funktioniert? ☐ Ja, der Kunde hat gut reagiert und die Fragen waren zielführend ☐ Es war noch holprig, aber ich habe es durchgezogen – Erfahrung gesammelt ☐ Ich habe das Gespräch noch nicht geführt → Termin einplanen!

  4. Habe ich einen Verbundansatz identifiziert oder begründet ausgeschlossen? ☐ Ja, Ansatz identifiziert und im CRM notiert ☐ Kein Ansatz vorhanden (begründet ausgeschlossen) ☐ Ich habe darüber noch nicht nachgedacht → Jetzt nachdenken!

  5. Was würde ich beim nächsten Mal anders machen, um die Analyse noch besser ins Kundengespräch zu integrieren?

    _______________________________________________________________


5.3 Vertiefungsliteratur

Für ein tieferes Verständnis empfiehlt die Firmenkundenakademie folgende Quellen:

  1. Baetge, J., Kirsch, H.-J. & Thiele, S. (2019). Bilanzanalyse (3. Aufl.). IDW Verlag. [Q-071] Das Standardwerk der deutschsprachigen Bilanzanalyse. Besonders empfehlenswert: Kapitel 3 (Aufbereitung des Jahresabschlusses) und Kapitel 6 (Kennzahlenanalyse). Vorbereitung auf Stufe Sparringspartner.

  2. Deutsche Bundesbank. (laufend). Unternehmensabschlussstatistik. Abgerufen von https://www.bundesbank.de/ [Q-072] Branchenkennzahlen für verschiedene Wirtschaftszweige (u.a. Metallverarbeitung WZ 25). Unverzichtbar für die Einordnung von Kundenkennzahlen in den Branchenkontext.

  3. Wöhe, G., Döring, U. & Brösel, G. (2020). Einführung in die Allgemeine Betriebswirtschaftslehre (27. Aufl.). Vahlen. [Q-064] Teil V (Rechnungswesen) eignet sich für eine solide Wiederholung der Bilanzierungs- und GuV-Grundlagen mit akademischer Tiefe.



Kapitel

Quellen

Alle im Modul M01 zitierten Quellen im APA-7-Format. Quell-IDs beziehen sich auf das zentrale Quellenverzeichnis der Firmenkundenakademie (quellen/Quellenverzeichnis.md).


Regulatorische Quellen

[Q-030] Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht [BaFin]. (2023). Mindestanforderungen an das Risikomanagement (MaRisk BA). In der jeweils aktuellen Fassung. Besonders relevant: AT 2.2 (Anforderungen an die fachliche Eignung der Mitarbeiter im Kreditgeschäft).

[Q-032] Kreditwesengesetz [KWG]. In der jeweils aktuellen Fassung. Insbesondere § 18 (Kreditunterlagen): Pflicht zur Einholung wirtschaftlicher Unterlagen ab einem Kreditbetrag von 750.000 EUR.

[Q-070] Handelsgesetzbuch [HGB]. In der jeweils aktuellen Fassung. Insbesondere §§ 242 ff. (Pflicht zur Buchführung und Bilanzierung), §§ 264 ff. (Ergänzende Vorschriften für Kapitalgesellschaften), § 266 (Gliederung der Bilanz), § 275 Abs. 2 (Gesamtkostenverfahren GuV), § 252 (allgemeine Bewertungsgrundsätze).


Bankfachliche Quellen

[Q-020] zeb consulting. (2020). Firmenkundenstudie 8.0. Abgerufen von https://zeb-consulting.com/de-DE/firmenkundenstudie-8.0

[Q-021] Roland Berger. (2024). KMU-Banking: Firmenkundenberater 2.0. Abgerufen von https://www.rolandberger.com/de/Insights/Publications/KMU-Banking-Firmenkundenberater-2.0.html

[Q-071] Baetge, J., Kirsch, H.-J. & Thiele, S. (2019). Bilanzanalyse (3. Aufl.). IDW Verlag.

[Q-072] Deutsche Bundesbank. (laufend). Unternehmensabschlussstatistik. Abgerufen von https://www.bundesbank.de/de/statistiken/unternehmen-und-private-haushalte/unternehmensabschluesse


Didaktische Quellen

Q-001 Anderson, L. W. & Krathwohl, D. R. (Hrsg.). (2001). A Taxonomy for Learning, Teaching, and Assessing: A Revision of Bloom's Taxonomy of Educational Objectives. Addison Wesley Longman.

Q-003 Dreyfus, H. L. & Dreyfus, S. E. (1980). A Five-Stage Model of the Mental Activities Involved in Directed Skill Acquisition (ORC-80-2). Operations Research Center, University of California, Berkeley.

[Q-004] Dreyfus, H. L. & Dreyfus, S. E. (1986). Mind over Machine: The Power of Human Intuition and Expertise in the Era of the Computer. Free Press.

[Q-006] Kirkpatrick, D. L. (1994). Evaluating Training Programs: The Four Levels. Berrett-Koehler Publishers.

[Q-007] Kirkpatrick, J. D. & Kirkpatrick, W. K. (2016). Kirkpatrick's Four Levels of Training Evaluation. ATD Press.

[Q-008] Kolb, D. A. (1984). Experiential Learning: Experience as the Source of Learning and Development. Prentice Hall.

[Q-009] Knowles, M. S. (1975). Self-Directed Learning: A Guide for Learners and Teachers. Association Press.

[Q-014] Barrows, H. S. (1986). A Taxonomy of Problem-Based Learning Methods. Medical Education, 20(6), 481–486. https://doi.org/10.1111/j.1365-2923.1986.tb01386.x

[Q-064] Wöhe, G., Döring, U. & Brösel, G. (2020). Einführung in die Allgemeine Betriebswirtschaftslehre (27. Aufl.). Vahlen.


Nachträge für zentrales Quellenverzeichnis (quellen/Quellenverzeichnis.md)

Die folgenden Quellen wurden in diesem Modul erstmals verwendet und sind in das zentrale Quellenverzeichnis aufzunehmen, sofern noch nicht geschehen:


Ende Modul M01 – Bilanzlesen für Praktiker | Version v0.1 | April 2026 Status: Entwurf zur Prüfung durch quality-reviewer Nächster Schritt: Quality Review → ggf. Überarbeitung → Formatierung (DOCX/PPTX)

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