FKA

Benedikt Zoller Coaching

Firmenkundenakademie

AkademieK-01 Finanzanalyse & KreditexpertiseKreditentscheidung treffen

M21

Kreditentscheidung treffen

Kreditempfehlung fundiert vorbereiten und im Kreditprozess vertreten

SparringspartnerHalbtag (4 Stunden)Bloom 3–5

Position in der Kompetenzmatrix

K-01 Finanzanalyse & Kreditexpertise · Sparringspartner

Dieses Modul zahlt auf das Kompetenzfeld K-01 Finanzanalyse & Kreditexpertise ein und adressiert die Entwicklungsstufe Sparringspartner.

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Dieses Modul wird derzeit als Lernvideo aufbereitet und bald verfügbar sein.

Stand: v0.2 · Benedikt Zoller Coaching


Kapitel

Modulinhalte

4.1.1 Konzeptioneller Rahmen

Eine Kreditentscheidung ist eine strukturierte Risikoabwägung – keine Intuitionsentscheidung. Das 8-Felder-Framework gibt jedem Analysebereich eine eindeutige Rolle und macht die Entscheidungslogik transparent, nachvollziehbar und prüfsicher nach MaRisk BTO 1.1 (Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht, 2023 [Q-030]). Becker (2019 [Q-159]) betont, dass eine vollständige Kreditanalyse stets die Rückzahlungsfähigkeit (primär) von der Sicherheitenqualität (sekundär) trennen muss.

Übersicht der 8 Felder:

FeldLeitfragePrimäre Datenquelle
1. Zweck & VerwendungWofür wird der Kredit genutzt? Ist der Zweck transparent?Kreditantrag, Angebote, Businessplan
2. RückzahlungsquelleKann das Unternehmen Zins und Tilgung aus laufendem Cashflow decken?GuV, Kapitalflussrechnung (3 Jahre)
3. KapitalstrukturWie ist das Unternehmen finanziert? Ist die Verschuldung tragbar?Bilanz (3 Jahre), pro-forma nach Kredit
4. ManagementqualitätIst die Geschäftsführung kompetent, erfahren und langfristig gebunden?Gespräch, Lebenslauf, Track-Record
5. BranchenpositionierungWie positioniert sich das Unternehmen im Markt? Ist die Branche stabil?Branchenberichte, Porter's Five Forces
6. SicherheitenWelche Sicherheiten gibt es? Wie verwertbar sind diese im Ernstfall?BelWertV, Gutachten, Bürgschaften
7. Konditionen & CovenantsSind Zins, Laufzeit und Vertragsbedingungen angemessen zum Risiko?Marktvergleich, Rating-Modell
8. Exit-SzenarienWas passiert, wenn die primäre Rückzahlungsquelle wegfällt?Szenarioanalyse, Sicherheitenverwertung

Praxisprozess in der VR-Bank:

  1. Unterlagen prüfen: Jahresabschluss, BWA, Kreditverwendung, Sicherheitenunterlagen, wirtschaftlich Berechtigte
  2. Rating und Kapitaldienstfähigkeit im Kreditworkflow/agree bzw. im hausinternen Rating- und Analyseprozess aktualisieren
  3. Markt-Votum formulieren: Zweck, Rückzahlungsquelle, Risiken, Sicherheiten, Auflagen, Empfehlung
  4. Marktfolge-Votum einholen und Abweichungen klären
  5. Kompetenzentscheidung nach Kompetenzordnung dokumentieren
  6. Auflagen, Covenants und Wiedervorlagen in der Kreditüberwachung hinterlegen

Merksatz: Das Framework liefert die Kreditstory. Die Entscheidung wird im Prozess getroffen.

4.1.2 Feld 1 – Zweck und Verwendung

Definition: Wozu wird der Kredit konkret verwendet? Ist die Verwendung wirtschaftlich sinnvoll und bankseits nachvollziehbar?

Kreditrelevanz: Ein schlecht definierter Kredittzweck ist ein Warnsignal für fehlende Planung oder versteckte Verwendungen (Sanierungsfinanzierung ohne Nennung, verdeckte Ausschüttungen). Die Zweckbindung ist zudem Sicherungsinstrument nach KWG.

Analysefragen:

  • Ist der Zweck konkret und überprüfbar? (Nicht „Betriebsmittel", sondern „5-Achs-CNC-Drehmaschine Heidenhain TNC 640 für Werkstatt Gebäude 2")
  • Dient er der Substanzerhaltung (Ersatz) oder Substanzverbesserung (Wachstum, Rationalisierung)?
  • Passt der Zweck zur wirtschaftlichen Lage des Unternehmens?
  • Ist die Amortisationszeit realistisch für die gewählte Laufzeit?

Typische Risiken: Mehrfachzweck ohne Aufteilung, Verwendung für Schuldenumschuldung ohne explizite Nennung, fehlende Kostenaufstellungen.


4.1.3 Feld 2 – Rückzahlungsquelle (Cashflow-Analyse)

Definition: Kann das Unternehmen Zins und Tilgung aus operativem Cashflow decken, oder ist es auf Desinvestitionen oder Dritte angewiesen?

Kernkennzahlen:

KennzahlFormelKomfortzoneWarnschwelleKritisch
Zinsdeckungsquote (ZDQ)EBIT ÷ Zinskosten> 3,0x2,0–3,0x< 1,5x
Cashflow-Deckungsquote(EBITDA − Steuern − CapEx) ÷ Kreditrate> 1,5x1,0–1,5x< 1,0x
Dynamischer VerschuldungsgradNetto-Fremdkapital ÷ EBITDA< 3,0x3,0–4,0x> 4,0x

Kapitaldienstfähigkeit (KDF) als Pflichtprüfung: Für die Kreditvorlage ist die hausinterne KDF-Berechnung maßgeblich. Sie umfasst nicht nur die neue Kreditrate, sondern den gesamten bestehenden und geplanten Kapitaldienst. Bei inhabergeführten KMU sind außerdem Privatentnahmen, Geschäftsführergehalt, Steuerlast, Ersatzinvestitionen und bereits bestehende Tilgungen einzubeziehen. Die vereinfachte Cashflow-Deckungsquote in diesem Modul dient der Plausibilisierung; sie ersetzt die KDF-Rechnung des Hauses nicht.

Praxisfrage: Kann der Kunde den gesamten Kapitaldienst aus nachhaltigem Cashflow tragen, ohne den Kontokorrent dauerhaft auszuweiten oder Ersatzinvestitionen zu verschieben?

Typische Fehler:

  • Überoptimistische Umsatzwachstum-Annahmen ohne Marktbeleg
  • Verwechslung von buchhalterischem Gewinn und verfügbarem Cashflow
  • Ignorieren notwendiger Reinvestitionen (CapEx-Bindung)
  • Keine Szenarioanalyse (Was passiert bei −10 % Umsatz?)

4.1.4 Feld 3 – Kapitalstruktur

Definition: Wie ist das Unternehmen finanziert? Hat es ausreichend Eigenkapital als Verlustpuffer?

Kernkennzahlen:

KennzahlFormelKomfortzoneWarnschwelle
EigenkapitalquoteEK ÷ Bilanzsumme> 30 %< 20 %
VerschuldungsgradFremdkapital ÷ EK< 1,5x> 2,5x
Dynamischer VGNetto-FK ÷ EBITDA< 3,0x> 4,0x

Wichtig: Kennzahl-Schwellenwerte sind branchenspezifisch (s. Modul M05). Ein Einzelhändler mit 18 % EK-Quote ist anders zu beurteilen als ein Maschinenbauer mit identischem Wert.

Pro-forma-Analyse: EK-Quote und Verschuldungsgrad müssen stets nach Kredit berechnet werden – nicht nur auf Basis des Status quo.


4.1.5 Feld 4 – Managementqualität

Definition: Ist die Geschäftsführung kompetent, erfahren, ehrlich und langfristig am Unternehmen gebunden?

Warum entscheidend: Branchenbeobachtungen zufolge gehen ein Großteil der KMU-Kreditausfälle auf Managementfehler zurück – nicht auf externe Schocks (vgl. zeb, 2022 [Q-160]). Ein Zahlenwerk allein reicht nicht.

Bewertungsdimensionen:

  • Fachliche Kompetenz: Ausbildung, Branchenerfahrung, Netzwerk
  • Unternehmerisches Urteil: Strategische Entscheidungen reflektiert oder impulsiv? (Kahneman, 2011 [Q-158])
  • Track-Record: Bisherige Krisen und Erfolge; wie wurde mit Problemen umgegangen?
  • Nachfolgeplanung: Ist eine Nachfolge bei inhabergeführten Unternehmen definiert?
  • Transparenz: Werden kritische Punkte offengelegt oder verschleiert?

Kognitive Verzerrungen im Berater-Urteil (Kahneman, 2011 [Q-158]):

  • Halo-Effekt: Positive Ersteindrücke überstrahlen Schwachstellen
  • Confirmation Bias: Berater sucht Belege für bereits geformte Meinung
  • Availability Bias: Letzte Begegnung prägt die Einschätzung unverhältnismäßig stark

Mitigation: Strukturierte Checkliste statt Freitext, Devil's Advocate-Runde im Kreditausschuss.


4.1.6 Feld 5 – Branchenpositionierung

Definition: Wie ist das Unternehmen in seiner Branche positioniert? Ist die Branche strukturell stabil oder unter Druck?

Analysewerkzeug: Porter's Five Forces (Porter, 1980 [Q-141]) – verkürzt für die Kreditvergabe:

KraftKreditrelevante Frage
Neue KonkurrentenSind Markteintrittsbarrieren hoch genug für stabile Margen?
LieferantenmachtKönnen Rohstoffpreisschwankungen die Marge gefährden?
KundenmachtBesteht Konzentrationsrisiko (wenige Großkunden)?
SubstituteDroht digitale Disruption das Geschäftsmodell zu entwerten?
RivalitätWie stark drückt Preiswettbewerb die Marge?

Branchen-Scorecard (schnelle Einschätzung):

  • Branchenwachstum: positiv / stabil / rückläufig
  • Marktposition des KMU: Nischenführer / Standard / Follower
  • Technologischer Disruptionsdruck: hoch / mittel / niedrig
  • Regulierungsdruck: steigend / stabil / sinkend

4.1.7 Feld 6 – Sicherheiten

Definition: Welche Vermögenswerte stehen im Insolvenzfall zur Verfügung, und wie realistisch ist deren Verwertung?

Grundprinzip (Schierenbeck et al., 2014 [Q-110]): Sicherheiten sind die Ausfallschutzlinie, nicht der Kreditgrund. Eine gute Kreditentscheidung muss auch ohne Sicherheiten durch die Rückzahlungsfähigkeit tragbar sein.

Beleihungswerte nach BelWertV (Bundesministerium der Justiz, 2006 [Q-031]):

SicherheitentypBeleihungswertAnmerkungen
Grundpfandrecht (Wohnimmobilie, Rang 1)60–70 % VerkehrswertAbhängig von Lage und Markt
Grundpfandrecht (Gewerbeimmobilie, Rang 1)50–60 % VerkehrswertEingeschränkte Verwertbarkeit bei Spezialgebäuden
Sicherungsübereignung Maschinen/Anlagen30–50 % BuchwertSchnelle Entwertung, Spezialisierung
Forderungsabtretung (Debitoren)50–80 % nominalAbhängig von Schuldner-Bonität
Warenbestand / Lager30–50 % BuchwertSaisonalität, Lagerverluste
Selbstschuldnerische Bürgschaftbis 100 % nominalQualität abhängig von Bürgen-EK und Einkommen

Kritische Prüfpunkte:

  • Rang der Grundschuld (Rang 1 vs. 2/3 – letztere erheblich schwächer)
  • Verwertungsdauer realistisch einschätzen (Immobilie: 6–12 Monate; Maschinen: 2–6 Monate)
  • Persönliche Bürgschaften: Bonität des Bürgen eigenständig prüfen

4.1.8 Feld 7 – Konditionen und Vertraggestaltung

Definition: Sind Zins, Laufzeit und Covenants angemessen zum Risiko? Sichert der Vertrag die frühzeitige Erkennung von Problemen?

Konditionselemente:

  • Zinssatz: EURIBOR + Spread (typisch 1,5–2,5 % für KMU-Standardrisiken)
  • Laufzeit: Passt zur finanzierten Investition (Maschinen 5–7 Jahre, Immobilien 10–20 Jahre)
  • Tilgung: Annuitätisch (gleichmäßige Belastung) oder linear (fallende Zinslast)

Covenant-Arten:

Covenant-TypBeispiel
FinanzcovenantsEK-Quote ≥ 22 %, Zinsdeckungsquote ≥ 2,0x, freier Cashflow ≥ X €
InformationscovenantsMonatliche Umsatzmeldung, Quartal-GuV, Jahresabschluss
OperationscovenantsKeine wesentlichen Akquisitionen ohne Zustimmung
KündigungscovenantsKündigung bei Covenant-Verstoß, Inhaberwechsel ohne Zustimmung

Häufige Fehler: Fehlende Covenants, zu optimistische Zinsmargen, Tilgungsfreijahre ohne Begründung, keine Aktualisierungsklauseln bei Rating-Verschlechterung.


4.1.9 Feld 8 – Exit-Szenarien

Definition: Was passiert, wenn die primäre Rückzahlungsquelle wegfällt? Gibt es realistische Szenarien für Sanierung, Umstrukturierung oder Liquidation?

Warum relevant: MaRisk BTO 2.1 (BaFin, 2023 [Q-030]) verlangt von Kreditinstituten ein Früherkennungs- und Sanierungsmanagement. Die Bank braucht einen Plan B, bevor der Ernstfall eintritt.

Vier Szenarien (Wahrscheinlichkeiten sind fallspezifisch):

SzenarioBeschreibungMaßnahme der Bank
A – NormalverlaufUnternehmen zahlt planmäßig zurückRoutine-Monitoring
B – Temporäre AnspannungUmsatzrückgang 1–2 Quartale, dann RecoveryStundung, ggf. Laufzeitverlängerung
C – Strukturelle KriseNachhaltige Umsatzeinbuße >20 %, Restrukturierung nötigUmschuldung, externe Berater, Asset-Verkauf
D – Insolvenz/LiquidationRettung nicht möglichSicherheitenverwertung (Zeitraum: 6–18 Monate)

Verwertungsrealismus: Die Erlöse aus Sicherheitenverwertung sind fast immer niedriger als der Beleihungswert (Zeitdruck, Verkaufskosten, Marktlage). Bank muss realistisch kalkulieren, nicht optimistisch.


4.2 Theorie-Input: Von der Analyse zur Entscheidungsvorlage

4.2.1 Struktur einer Kreditvorlage nach MaRisk BTO 1.1

Eine bankinterne Kreditvorlage muss nach MaRisk BTO 1.1 (Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht, 2023 [Q-030]) folgende Elemente enthalten:

AbschnittInhaltPflichtumfang
1. Kreditnehmer-IdentifikationName, Rechtsform, Adresse, Branche, Geschäftsführung1–2 Seiten
2. KreditantragArt, Betrag, Verwendung, Laufzeit, gewünschte Konditionen1 Seite
3. Historische FinanzlageBilanzen/GuV 3 Jahre, Kennzahlen, Trendanalyse2–4 Seiten
4. 8-Felder-AnalyseStrukturierte Risikoanalyse3–5 Seiten
5. Rating-ErgebnisInternes Rating, Risikokategorie1–2 Seiten
6. SicherheitenpaketArten, Beleihungswerte, Verwertungsszenarien1–2 Seiten
7. Konditionen & CovenantsZinssatz, Laufzeit, Tilgung, Vertragsbedingungen1 Seite
8. EmpfehlungZusage / Ablehnung / Auflagen mit Begründung1–2 Seiten

Gesamtumfang: 12–20 Seiten (je nach Komplexität)

4.2.2 Die drei Entscheidungsergebnisse

Entscheidung 1: ZUSAGE

  • Alle 8 Felder positiv oder neutral
  • Keine einschränkenden Bedingungen
  • Dokumentation: Kreditausschuss-Beschluss, Krediturkunde

Entscheidung 2: ZUSAGE MIT AUFLAGEN

  • Einzelne Felder mit Risiken, die durch Auflagen mitigierbar sind
  • Auflagen müssen SMART formuliert sein (Spezifisch, Messbar, Akzeptabel, Realistisch, Terminiert)
  • Beispiel: „EK-Quote muss innerhalb von 24 Monaten auf ≥ 23 % steigen; Nachweis quartalsweise."
  • Kreditnehmer muss Auflagen schriftlich bestätigen

Entscheidung 3: ABLEHNUNG

  • Kritische Faktoren in mehreren Feldern, keine Mitigation möglich
  • Begründung: sachlich, professionell, ohne unnötige Kritik am Unternehmer
  • Auch Ablehnung ist eine Beratungsleistung: Mögliche Alternativen nennen (Eigenkapitalzuführung, Fördermittel, Unternehmensstrukturierung)

4.2.3 Häufige Fehler in Kreditvorlagen

FehlerErkennungsmerkmalFolge
Unklare Zweckangabe„Betriebsmittel" ohne KonkretisierungZweckbindung nicht durchsetzbar
Überoptimistische PlanungPlanwachstum 15–20 % p. a. ohne MarktbelegRisiko systematisch unterschätzt
Sicherheiten als Kreditgrund„Immobilie reicht aus" ohne Cashflow-AnalyseUnterschätztes Rückzahlungsrisiko
Schwache Management-Analyse„10 Jahre Unternehmer = ok" ohne kritische HinterfragungNachfolge-, Kompetenz- und Bias-Risiken übersehen
Keine Exit-SzenarienVorlage endet ohne Plan BBank unvorbereitet bei Krise
Widerspruch Text vs. ZahlenText: „stabil", aber Verschuldungsgrad steigt auf 3,5xEntscheidung auf Bias statt Analyse
Fehlende oder lasche CovenantsKein Reporting-Pflicht, keine FinanzschwellenFrüherkennung von Schieflage unmöglich

4.2.4 Entscheidungspsychologie in der Kreditvergabe (Kahneman, 2011)

Ankereffekt: Die erste genannte Zahl prägt unbewusst alle Folgeabschätzungen (Kahneman, 2011 [Q-158]). Mitigation: eigene unabhängige Schätzung vor Kundentermin erstellen.

Confirmation Bias (Bestätigungsfehler): Man sucht unbewusst Informationen, die die eigene Ersteinschätzung bestätigen (Kahneman, 2011 [Q-158]). Mitigation: strukturierte 8-Felder-Analyse mit expliziter „Was könnte schiefgehen?"-Runde.

Overconfidence: Insolvenzwahrscheinlichkeit wird systematisch unterschätzt. Mitigation: Vergleich mit branchenspezifischen Ausfallquoten aus Creditreform-Daten.


4.3 Theorie-Input: Sicherheitenbewertung nach BelWertV

Die Beleihungswertermittlungsverordnung (BelWertV) (Bundesministerium der Justiz, 2006 [Q-031]) schreibt vor, wie Banken Sicherheiten konservativ – also unterhalb des Marktwertes – bewerten müssen.

Grundpfandrechte auf Immobilien:

  1. Verkehrswert ermitteln (Gutachter oder Vergleichswerte)
  2. Abschlag von 20–30 % anwenden (je nach Marktvolatilität und Verwertbarkeit)
  3. Beleihungswert = ca. 60–70 % des Verkehrswerts

Rangfolge: Rang 1 hat volle Priorität. Rang 2 und 3 erhalten erst nach vollständiger Bedienung von Rang 1 Erlöse – dies kann im Verwertungsfall zu erheblichen Ausfällen führen.

Bewegliche Sicherheiten: Maschinen und Anlagen verlieren durch Spezialisierung, Betrieb und Marktlage schnell an Wert. Beleihungssatz 30–50 % des Buchwerts ist konservativ, aber realistisch.

Bürgschaften: Qualität hängt ausschließlich von der Bonität des Bürgen ab. Eine Bürgschaft eines vermögenslosen Geschäftsführers ist wertlos – eine selbstschuldnerische Bürgschaft eines wohlhabenden Gesellschafters kann hingegen vollständig angerechnet werden.

Praxis-Checkliste Sicherheiten:

  • Grundbuchrang und Vorlasten prüfen: Rang 2 oder 3 ist nur werthaltig, wenn nach vorrangigen Rechten realistisch Erlös übrig bleibt.
  • Sicherungszweckerklärungen prüfen: Welche bestehenden und neuen Forderungen sind durch die Sicherheit erfasst?
  • Bürgschaftsfähigkeit jedes Bürgen eigenständig beurteilen: Einkommen, Vermögen, bestehende Verpflichtungen, Alter, Familienkonstellation.
  • Bürgschaftsaufklärung dokumentieren: Besonders bei Familienangehörigen oder nicht operativ tätigen Gesellschaftern muss die wirtschaftliche Tragweite sauber besprochen werden.
  • Verwertungsdauer realistisch ansetzen: Spezialmaschinen, Hallen und gemischt genutzte Objekte brauchen im Verwertungsfall Zeit und Preisabschläge.

4.4 Praxisfall: Metallbau Schnell GmbH (Heilbronn, fiktiv)

4.4.1 Unternehmensprofil

MerkmalAusprägung
UnternehmensnameMetallbau Schnell GmbH (fiktiv)
Gründung1989
RechtsformGmbH
GesellschafterKlaus Schnell 75 % (Gründer, Dipl.-Ing., 75 J.), Sabine Schnell-Müller 25 % (Tochter)
StandortHeilbronn, Baden-Württemberg
Mitarbeiter28 (3 Meister, 12 Facharbeiter, 13 Hilfsarbeiter)
Umsatz 20244.510.000 €
BrancheMetallbau (Stahlkonstruktionen, Fertigungstechnik, Anlagenbau)
KundensegmenteAutomotive 30 %, Maschinenbau 40 %, Food & Packaging 25 %, Sonstiges 5 %

Kreditantrag:

  • Art: Investitionskredit
  • Betrag: 420.000 €
  • Verwendung: 5-Achs-CNC-Drehmaschine Heidenhain TNC 640 (280.000 €) + Hallenerweiterung (140.000 €)
  • Laufzeit: 7 Jahre

4.4.2 Finanzlage: 3-Jahresvergleich

Bilanzauszüge (in T€):

Position202220232024
Immobilien380380380
Maschinen/Ausstattung520510480
Forderungen385420460
Bestände125135145
Kasse/Bank423835
Bilanzsumme1.5371.5611.575
Eigenkapital380390395
Bankdarlehen450420390
Lieferantenverbindlichkeiten200220250

Gewinn- und Verlustrechnung (in T€):

Position202220232024Trend
Umsatz4.2004.3804.510
Materialkosten−1.200−1.280−1.320
Personalkosten−1.850−1.920−2.010▲▲
Abschreibungen−110−110−110
Sonstige Kosten−405−435−455
EBIT375321272▼▼
Zinsen−35−31−29
Netto-Gewinn238203170▼▼

Kennzahlenanalyse:

Kennzahl202220232024Bewertung
EBIT-Marge8,9 %7,3 %6,0 %▼ rückläufig – kritische Entwicklung
Eigenkapitalquote24,7 %25,0 %25,1 %→ knapp, aber leicht verbessernd
Verschuldungsgrad (FK/EK)2,742,672,61→ erhöht, über Komfortschwelle
Zinsdeckungsquote10,7x10,4x9,4x▼ sehr gut, aber fallend
Dyn. Verschuldungsgrad (NK/EBITDA)1,681,932,29▲ steigt – Achtung

Interpretation: Positiv: Umsatz wächst, Zinsdeckung komfortabel. Kritisch: EBIT-Marge sinkt kontinuierlich (Personalkosten steigen schneller als Umsatz), EK-Quote an der unteren Grenze, dynamischer Verschuldungsgrad verschlechtert sich.


4.4.3 8-Felder-Analyse: Metallbau Schnell GmbH

Feld 1 – Zweck & Verwendung | Bewertung: 5/5 POSITIV

CNC-Maschine (280.000 €): Angebote von drei Lieferanten vorhanden, Amortisation 4–5 Jahre realistisch, entspricht Branchenüblichkeit. Hallenerweiterung (140.000 €): Architekten-Kostenaufstellung mit Zeichnungen vorhanden, Food-&-Packaging-Kapazitätserweiterung plausibel begründet. Kein Mehrfachzweck, klare Verwendungszuordnung.

Feld 2 – Rückzahlungsquelle | Bewertung: 3/5 MODERAT

EBITDA 2024: 382 T€ (= 272 EBIT + 110 AfA). Verfügbarer Cashflow nach Steuern (73 T€) und CapEx-Bindung (110 T€): ca. 199 T€. Neue Kreditrate (420 T€, 7 J., 5 %): ca. 70 T€ Zins + 60 T€ Tilgung = 130 T€/Jahr. Deckungsquote: 199/130 = 1,53x – ausreichend, aber kein Komfortpolster. Stress-Szenario (−10 % Umsatz): Deckungsquote sinkt auf ca. 1,15x – angespannt.

Feld 3 – Kapitalstruktur | Bewertung: 2/5 WARNUNG

Aktuelle EK-Quote 25,1 % – an der unteren Grenze. Nach Kreditaufnahme (Bilanzsumme +420 T€ auf 1.995 T€, EK bleibt 395 T€): neue EK-Quote 19,8 % – deutlich unter 25 %-Schwellenwert. Neuer Verschuldungsgrad: (390 − 30 + 420)/395 = 1,97x – knapp unter 2,0x. Verbesserung nur durch Gewinnthesaurierung möglich.

Feld 4 – Managementqualität | Bewertung: 3/5 MODERAT mit NACHFOLGE-RISIKO

Klaus Schnell: 35 Jahre Unternehmer, Dipl.-Ing., tiefe Branchenkenntnis, gut vernetzt. Positiver Track-Record (Krise 2009/2020 überlebt). Kritisch: 75 Jahre alt, keine explizite Nachfolgeregelung. Sabine Schnell-Müller (Tochter): 25 % beteiligt, Finanz-Background, aber nicht operativ. Bei einer 7-jährigen Investition ist das Nachfolgerisiko kein Randthema, sondern ein zentraler Kreditpunkt. Vor Valutierung sollte mindestens ein belastbarer Nachfolgefahrplan mit Notfallvertretung, Vollmachten und Rolle der Tochter vorliegen.

Feld 5 – Branchenpositionierung | Bewertung: 3/5 MODERAT

Diversifikation (3 Segmente) positiv. Problematisch: Automotive-Segment sinkend (1.470 → 1.353 T€, −8 %), langfristig unter Druck durch E-Mobilisierung. Maschinenbau exportabhängig. Food & Packaging defensiver, aber Margen-Druck. Branche insgesamt wachsend (+2–3 % p. a.), aber konjunkturanfällig. Keine erkennbare Nischenpositionierung oder Differenzierungsstrategie.

Feld 6 – Sicherheiten | Bewertung: 3/5 AUSREICHEND

Bestehend (für Darlehen Bank A 390 T€): Rang-1-Grundschuld Fabrik Heilbronn (BW 350 T€) + Maschinensicherheiten (BW ca. 190 T€) = 540 T€ > 390 T€ ✓. Neu (für 420 T€): Rang-2-Grundschuld Hallenerweiterung (BW ca. 85 T€) + Sicherungsübereignung CNC-Maschine (BW 40 % × 280 = 112 T€) + Bürgschaften Klaus + Sabine (ca. 200–300 T€ realistisch) = 397–497 T€ – Deckung knapp ausreichend, aber keine Komfortreserve.

Feld 7 – Konditionen & Covenants | Bewertung: 4/5 STANDARD mit Covenants

Empfohlene Konditionen: 5,0 % Zins (EURIBOR 3 % + 2,0 % Spread für erhöhtes Risiko). 7 Jahre Laufzeit passt zur Investition. Erforderliche Covenants: EK-Quote ≥ 22 %, monatliche Umsatzmeldung, Jahresabschluss, Nachfolgeplan bis 12/2026, Kündigung bei EK-Quote < 20 %.

Feld 8 – Exit-Szenarien | Bewertung: 3/5 MODERAT

Szenario A (Normal, 90 %): Kredit tilgt planmäßig. Szenario B (Anspannung, 7 %): Maschinenbau-Delle 2025/26 → Cashflow angespannt → Stundung 12–18 Monate. Szenario C (Krise, 2,5 %): Automotive-Kollaps + Nachfolge-Chaos → Restrukturierung 2–3 Jahre. Szenario D (Insolvenz, 0,5 %): Verwertung Sicherheiten geschätzt 250–300 T€ → Ausfall ca. 120–170 T€ (29–40 % des Kreditbetrags). Erwarteter Verlust (EL) ≈ 0,5 % × 34 % = 0,17 % p. a. – durch 2,0 % Spread gut gedeckt.

Gesamtbewertung:

FeldBewertungGewichtungPunkte
1. Zweck & Verwendung5/510 %0,50
2. Rückzahlungsquelle3/525 %0,75
3. Kapitalstruktur2/515 %0,30
4. Management3/520 %0,60
5. Branche3/510 %0,30
6. Sicherheiten3/510 %0,30
7. Konditionen4/55 %0,20
8. Exit3/55 %0,15
GESAMT100 %3,10/5

Score 3,10 = MODERAT-POSITIV → Empfehlung: ZUSAGE MIT AUFLAGEN


4.4.4 Gesprächsverlauf: Kreditanalyse in der Praxis

Berater K. Maier (VR-Bank Heilbronn) | Gespräch 1: Ersttermin

K. Maier: „Herr Schnell, Frau Schnell-Müller, Sie haben einen Investitionskredit über 420.000 € beantragt. Bevor ich rechne: Erzählen Sie mir – was soll die neue Anlage leisten, die die alte nicht kann?"

Klaus Schnell: „Die alte Drehmaschine ist 15 Jahre alt und hat eine Achse weniger. Komplexere Teile müssen wir momentan zukaufen oder mit Mehraufwand herstellen. Die neue 5-Achs-Maschine macht das in einem Durchlauf – das spart 3–4 Stunden pro Auftrag."

K. Maier: „Und wie kommen Sie auf 280.000 €?"

K. Schnell: „Ich habe drei Angebote eingeholt. Heidenhain ist teurer, aber Qualität und Service sind überlegen. Die Maschine amortisiert sich nach ca. 4,5 Jahren. Hier sind die Angebote."

(Feld 1 geklärt.)


Gespräch 2: Cashflow-Analyse (eine Woche später)

K. Maier: „Ich habe Ihre Abschlüsse analysiert. Ihr EBIT ist von 375.000 € auf 272.000 € gesunken – ein Rückgang von 27 % in zwei Jahren, obwohl der Umsatz gestiegen ist. Was drückt auf die Marge?"

K. Schnell: „Hauptsächlich Personal. Der Tarifabschluss war 4,5 % dieses Jahr, und wir hatten zwei längere Krankheitsfälle. Dazu Stahlpreise – die waren 2022/23 extrem volatil."

K. Maier: „Und wie sieht die Planung aus, wenn wir den neuen Kredit dazulegen? Bei 420.000 €, 7 Jahren, 5 % Zins wäre die Jahresrate ca. 130.000 €. Ihr verfügbarer Cashflow liegt heute bei ca. 199.000 €. Das ergibt eine Deckungsquote von 1,53x – ausreichend, aber nicht komfortabel."

K. Schnell: „Die neue Maschine bringt 15 % Effizienzgewinn. Der Lieferant hat das dokumentiert."

K. Maier: „Das hilft. Wenn 15 % Produktivitätssteigerung eintritt, verbessert sich die Deckungsquote auf ca. 1,8x – das ist besser. Aber ich muss auch das Stress-Szenario rechnen: Wenn Umsatz nur stagniert statt zu wachsen, sinkt die Deckungsquote auf unter 1,2x. Das ist das zentrale Risiko in meiner Analyse."

(Feld 2 analysiert.)


Gespräch 3: Kapitalstruktur und Nachfolge

K. Maier: „Herr Schnell, noch zwei kritische Punkte. Erstens: Ihre EK-Quote ist heute 25,1 %. Mit dem neuen Kredit sinkt sie auf unter 20 % – das ist unter unserer Komfortschwelle. Haben Sie erwogen, die Gewinnausschüttung dieses Jahr zu reduzieren?"

K. Schnell: „Ich hatte das eigentlich geplant, aber es geht. Wir könnten 100.000 € im Unternehmen lassen."

K. Maier: „Das hilft erheblich – dann wäre die EK-Quote nach Kredit bei ca. 23 %. Das ist ein wichtiger Schritt. Zweiter Punkt: Sie sind 75 Jahre alt. Was ist der Plan für Ihre Nachfolge in den nächsten 5–10 Jahren?"

K. Schnell: „Das ist ein offenes Thema, ehrlich gesagt. Sabine ist interessiert, aber nicht operativ tätig. Wir schauen uns Optionen an."

K. Maier: „Das muss ich als Risikofaktor in meiner Vorlage aufnehmen. Und ich würde gerne als Kreditauflage aufnehmen, dass Sie bis Ende 2026 eine schriftliche Nachfolgeregelung vorlegen – wer führt das Unternehmen nach Ihnen, und wann? Das schützt Sie genauso wie uns."

K. Schnell: „Das ist fair. Das machen wir."

(Felder 3 und 4 analysiert.)


4.4.5 Kreditempfehlung (Musterlösung)

Empfehlung / Markt-Votum: ZUSAGE MIT AUFLAGEN

Begründung:

  1. Cashflow-Tragfähigkeit nachgewiesen (Deckungsquote 1,53x, ZDQ 9,4x), auch bei moderatem Stress ausreichend
  2. Investitionszweck wirtschaftlich sinnvoll und vollständig dokumentiert
  3. Managementqualität fachlich gut, aber Nachfolgerisiko signifikant; positive Empfehlung nur bei verbindlichem Nachfolgefahrplan
  4. Branchendiversifikation schützt vor Einzelsegment-Schocks
  5. Sicherheitenpaket knapp ausreichend bei Einbeziehung aller Bürgschaften

Auflagenkatalog:

  1. Eigenkapitalstärkung: Keine Gewinnausschüttung ohne vorherige Bankzustimmung, bis die EK-Quote nachhaltig ≥ 23 % beträgt; Nachweis über Jahresabschluss 2025 und Gesellschafterbeschluss
  2. Nachfolgefahrplan als Auszahlungsvoraussetzung: Schriftliches Eckpunktepapier vor Valutierung (Notfallvertretung, Vollmachten, Rolle Sabine Schnell-Müller, externer Berater/Steuerberater, Zeitachse bis 31.12.2026)
  3. Monitoring: BWA inklusive Summen- und Saldenliste quartalsweise spätestens 30 Tage nach Quartalsende; zusätzliche Umsatzmeldung nur bei Covenant-Verstoß oder Ratingverschlechterung
  4. Covenant: EK-Quote ≥ 22 %; Warnung bei < 22 %, Kündigung bei < 20 %
  5. Sicherheiten: Rang-2-Grundschuld Hallenerweiterung + Sicherungsübereignung CNC-Maschine + selbstschuldnerische Bürgschaft Klaus und Sabine Schnell je 210.000 €

Dokumentation: Alle Auflagen sind im Kreditworkflow bzw. in der Kreditüberwachung mit Wiedervorlage zu erfassen. Verantwortlich für Kontrolle und Nachhalten ist die zuständige Kreditüberwachung bzw. Marktfolge; der Firmenkundenberater bleibt für die Kundennachhaltung und Gesprächsdokumentation zuständig.

Konditionen:

  • Kreditbetrag: 420.000 €
  • Zinssatz: 5,00 % p. a. (EURIBOR + 2,0 % Spread)
  • Laufzeit: 7 Jahre (84 Monate)
  • Tilgung: Annuitätisch, erste Rate 6 Monate nach Auszahlung
  • Jahresrate: ca. 73.000 € (Zins) + 60.000 € (Tilgung) = 133.000 €

4.5 Arbeitsblatt: 8-Felder-Kreditanalyse-Template

KREDIT-ANALYSE FORMULAR

Kreditnehmer: _______________ | Kreditnummer: _______________ | Berater/in: _______________ | Datum: ..___


Feld 1 – Zweck & Verwendung (Gewichtung: 10 %)

Ist der Verwendungszweck konkret, prüfbar und wirtschaftlich sinnvoll?

Bewertung: ☐ 1 (kritisch) ☐ 2 ☐ 3 (ausreichend) ☐ 4 ☐ 5 (sehr gut)

Begründung: _______________

Risiko identifiziert? ☐ Ja ☐ Nein | Mitigation: _______________


Feld 2 – Rückzahlungsquelle (Gewichtung: 25 %)

EBITDA (aktuell): ___ T€ | Verfügbarer Cashflow: ___ T€ | Kreditrate p. a.: ___ T€

Cashflow-Deckungsquote: ___x | Zinsdeckungsquote: ___x | Dyn. Verschuldungsgrad: ___x

Stress-Szenario (−10 % Umsatz): Deckungsquote sinkt auf ___x

Bewertung: ☐ 1 ☐ 2 ☐ 3 ☐ 4 ☐ 5

Begründung: _______________


Feld 3 – Kapitalstruktur (Gewichtung: 15 %)

EK-Quote heute: ___% | EK-Quote nach Kredit: ___% | Verschuldungsgrad heute: ___x | nach Kredit: ___x

Bewertung: ☐ 1 ☐ 2 ☐ 3 ☐ 4 ☐ 5

Begründung: _______________

Maßnahme zur Stärkung: _______________


Feld 4 – Managementqualität (Gewichtung: 20 %)

GF-Name/Alter: _______________ | Branchenjahre: ___ | Ausbildung: _______________

Nachfolge geklärt? ☐ Ja ☐ Nein | Transparenz im Gespräch: ☐ offen ☐ ausweichend

Bewertung: ☐ 1 ☐ 2 ☐ 3 ☐ 4 ☐ 5


Feld 5 – Branchenpositionierung (Gewichtung: 10 %)

Branche: _______________ | Branchenwachstum: ☐ + ☐ → ☐ −

Porter's Five Forces Gesamtrisiko: ☐ gering ☐ mittel ☐ hoch

Kundenbasis-Konzentration: Top-3-Kunden = ___% des Umsatzes

Bewertung: ☐ 1 ☐ 2 ☐ 3 ☐ 4 ☐ 5


Feld 6 – Sicherheiten (Gewichtung: 10 %)

SicherheitentypWertBeleihungswertRang
________________________
________________________
________________________
Gesamt-Beleihungswert___
Kreditbetrag___
Deckungsgrad___%

Bewertung: ☐ 1 ☐ 2 ☐ 3 ☐ 4 ☐ 5


Feld 7 – Konditionen & Covenants (Gewichtung: 5 %)

Zinssatz: ___% | Laufzeit: ___ Jahre | Tilgung: ☐ Annuität ☐ Linear ☐ Endfällig

Covenants: ☐ EK-Quote ≥ ___% ☐ Monatliches Reporting ☐ Jahresabschluss ☐ Sonstiges: ___

Bewertung: ☐ 1 ☐ 2 ☐ 3 ☐ 4 ☐ 5


Feld 8 – Exit-Szenarien (Gewichtung: 5 %)

Szenario A (Normal): Wahrsch. ___% | Szenario B: ___% | Szenario C: ___% | Szenario D: ___%

Verwertungserlös Sicherheiten bei Szenario D (realistisch): ___ T€ | Ausfall: ___ T€ (___%)

Bewertung: ☐ 1 ☐ 2 ☐ 3 ☐ 4 ☐ 5


GESAMTAUSWERTUNG

FeldBewertungGewichtungPunkte
1. Zweck/510 %
2. Cashflow/525 %
3. Kapitalstruktur/515 %
4. Management/520 %
5. Branche/510 %
6. Sicherheiten/510 %
7. Konditionen/55 %
8. Exit/55 %
GESAMT100 %/5

Knock-out-Prüfung vor Empfehlung:

Eine positive Empfehlung ist trotz ausreichendem Score nicht vertretbar, wenn mindestens einer der folgenden Punkte vorliegt:

  • Kapitaldienstfähigkeit nach hausinterner Berechnung nicht tragfähig
  • Unterlagen unvollständig, veraltet oder vom Kunden verweigert
  • Kreditverwendung nicht prüfbar oder wirtschaftlich nicht plausibel
  • Harte Negativmerkmale, Vollstreckungsmaßnahmen oder nicht erklärte Zahlungsstörungen
  • Nicht mitigierbares Management-, Nachfolge- oder Compliance-Risiko
  • Sicherheitenbewertung basiert auf nicht prüfbaren Annahmen

Empfehlung:Zusage (Score ≥ 4,0; keine kritischen Felder) ☐ Zusage mit Auflagen (Score 2,5–3,9; Risiken mitigierbar) ☐ Ablehnung (Score < 2,5 oder kritisches Feld nicht mitigierbar)

Begründung in 3 Sätzen: _______________

Auflagen (falls Zusage mit Auflagen): _______________

Bearbeiter/in: _______________ | Datum: _______________ | Freigabe FK: _______________


Kapitel

Sec 5 – Praxistransfer


Kapitel

Praxistransfer

Aufgabe: Analysiere einen aktuellen Kreditantrag aus deinem Portfolio nach dem 8-Felder-Framework und lege das Ergebnis beim nächsten Bereichsleiter-Meeting vor.

Datenschutz und Freigabe: Nutze nur anonymisierte Daten. Kundennamen, Kreditnummern, personenbezogene Daten und nicht erforderliche Sicherheitenangaben gehören nicht in Trainingsunterlagen. Kläre vor Nutzung eines laufenden Falls mit FK-Leitung und ggf. Marktfolge, ob der Fall für die Lernaufgabe freigegeben ist.

Fallback: Falls kein laufender Fall verwendet werden darf, nutze einen bereits entschiedenen Altfall, einen vollständig anonymisierten Musterfall oder den Praxisfall Metallbau Schnell GmbH aus diesem Modul.

Vorgehen:

  1. Wähle einen laufenden oder anstehenden Kreditantrag (Datenschutz: Name anonymisieren)
  2. Fülle das 8-Felder-Template (Sec. 4.5) vollständig aus (mind. 3–5 Sätze pro Feld)
  3. Berechne den Gesamtscore mit Gewichtung
  4. Formuliere eine begründete Empfehlung (Zusage / Auflagen / Ablehnung)
  5. Falls Auflagen: Erstelle einen SMART-Auflagenkatalog
  6. Präsentiere das Ergebnis deinem Bereichsleiter (15 Minuten)

Umfang: 4–6 DIN-A4-Seiten

Ziel: Strukturiertes, nachvollziehbares Kreditdenken dokumentieren und vertreten können.

5.2 Selbstcheck nach 4 Wochen

Beantworte die folgenden Fragen schriftlich:

  1. Rückzahlungsanalyse (LZ-01/02): Habe ich den verfügbaren Cashflow korrekt berechnet (nach Steuern, CapEx und bestehenden Schuldendiensten)? Wo war es schwierig?

  2. Kapitalstruktur pro-forma (LZ-02): Habe ich die EK-Quote auch nach Kreditaufnahme berechnet – nicht nur den Status quo?

  3. Management-Analyse (LZ-02): Habe ich das Nachfolgerisiko explizit adressiert? Oder habe ich es intuitiv übergangen?

  4. Exit-Szenarien (LZ-03): Habe ich mindestens ein Szenario B/C durchgespielt? Was waren die realistischen Verwertungserlöse bei Insolvenz?

  5. Entscheidungsqualität (LZ-03): War meine Empfehlung durch die 8-Felder-Analyse besser begründet als vorher? Was hätte ich ohne das Framework anders entschieden?

5.3 Empfohlene Vertiefungsliteratur

  • BelWertV: Bundesministerium der Justiz (2006): Beleihungswertermittlungsverordnung
  • MaRisk: BaFin (2023): MaRisk-Rundschreiben BTO 1.1 und BTO 2.1
  • Entscheidungspsychologie: Kahneman, D. (2012): Schnelles Denken, langsames Denken. Siedler
  • KMU-Finanzierung: Perridon, L., Steiner, M., & Rathgeber, A. (2017): Finanzwirtschaft der Unternehmung (17. Aufl.). Vahlen
  • Bankmanagement & Risiko: Schierenbeck, H., Lister, M., & Kirmße, S. (2014): Ertragsorientiertes Bankmanagement (Bd. 2). Springer Gabler

Kapitel

Sec 7 – Quellenverzeichnis

Anderson, L. W., & Krathwohl, D. R. (Hrsg.). (2001). A taxonomy for learning, teaching, and assessing: A revision of Bloom's taxonomy of educational objectives (Complete Edition). Longman. [Q-001]

Becker, H. P. (2019). Investition und Finanzierung: Grundlagen der betrieblichen Finanzwirtschaft (8. Aufl.). Springer Gabler. [Q-159]

Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht. (2023). Mindestanforderungen an das Risikomanagement (MaRisk): Rundschreiben 10/2012 (BA) in der Fassung vom 29.06.2023. BaFin. https://www.bafin.de [Q-030]

Bundesministerium der Justiz. (2006). Beleihungswertermittlungsverordnung (BelWertV) vom 12. Mai 2006. BGBl. I, 1335. [Q-031]

Dreyfus, H. L., & Dreyfus, S. E. (1980). A five-stage model of the mental activities involved in directed skill acquisition. Operations Research Center, University of California, Berkeley. [Q-003]

Kahneman, D. (2011). Thinking, fast and slow. Farrar, Straus and Giroux. [Deutsche Ausgabe: Schnelles Denken, langsames Denken. Siedler, 2012] [Q-158]

Perridon, L., Steiner, M., & Rathgeber, A. (2017). Finanzwirtschaft der Unternehmung (17. Aufl.). Vahlen. [Q-104]

Porter, M. E. (1980). Competitive strategy: Techniques for analyzing industries and competitors. Free Press. [Q-141]

Schierenbeck, H., Lister, M., & Kirmße, S. (2014). Ertragsorientiertes Bankmanagement: Risiko-Controlling und Risiko-Management (Bd. 2, 9. Aufl.). Springer Gabler. [Q-110]

Schön, D. A. (1983). The reflective practitioner: How professionals think in action. Basic Books. [Q-013]

zeb. (2022). KMU-Lending Report: Herausforderungen und Chancen im deutschen Mittelstandskreditgeschäft. zeb/rolfes.schierenbeck.associates. [Q-160]


Modulerstellung: April 2026 | Benedikt Zoller Coaching | Version v0.2_KERN
Nächste Überarbeitung: April 2027 oder bei MaRisk/BelWertV-Änderungen


Kapitel

Quellen

Anderson, L. W., & Krathwohl, D. R. (Hrsg.). (2001). A taxonomy for learning, teaching, and assessing: A revision of Bloom's taxonomy of educational objectives (Complete Edition). Longman. [Q-001]

Becker, H. P. (2019). Investition und Finanzierung: Grundlagen der betrieblichen Finanzwirtschaft (8. Aufl.). Springer Gabler. [Q-159]

Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht. (2023). Mindestanforderungen an das Risikomanagement (MaRisk): Rundschreiben 10/2012 (BA) in der Fassung vom 29.06.2023. BaFin. https://www.bafin.de [Q-030]

Bundesministerium der Justiz. (2006). Beleihungswertermittlungsverordnung (BelWertV) vom 12. Mai 2006. BGBl. I, 1335. [Q-031]

Dreyfus, H. L., & Dreyfus, S. E. (1980). A five-stage model of the mental activities involved in directed skill acquisition. Operations Research Center, University of California, Berkeley. [Q-003]

Kahneman, D. (2011). Thinking, fast and slow. Farrar, Straus and Giroux. [Deutsche Ausgabe: Schnelles Denken, langsames Denken. Siedler, 2012] [Q-158]

Perridon, L., Steiner, M., & Rathgeber, A. (2017). Finanzwirtschaft der Unternehmung (17. Aufl.). Vahlen. [Q-104]

Porter, M. E. (1980). Competitive strategy: Techniques for analyzing industries and competitors. Free Press. [Q-141]

Schierenbeck, H., Lister, M., & Kirmße, S. (2014). Ertragsorientiertes Bankmanagement: Risiko-Controlling und Risiko-Management (Bd. 2, 9. Aufl.). Springer Gabler. [Q-110]

Schön, D. A. (1983). The reflective practitioner: How professionals think in action. Basic Books. [Q-013]

zeb. (2022). KMU-Lending Report: Herausforderungen und Chancen im deutschen Mittelstandskreditgeschäft. zeb/rolfes.schierenbeck.associates. [Q-160]


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