FKA

Benedikt Zoller Coaching

Firmenkundenakademie

AkademieK-02 BranchenwissenImmobilien & Projektfinanzierung

M08

Immobilien & Projektfinanzierung

Bauträger, Bestandshalter und Projektentwickler professionell begleiten

Sparringspartner1 Tag (ca. 360 Min.)Bloom 3–4

Position in der Kompetenzmatrix

K-02 Branchenwissen · Sparringspartner

Dieses Modul zahlt auf das Kompetenzfeld K-02 Branchenwissen ein und adressiert die Entwicklungsstufe Sparringspartner.

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Dieses Modul wird derzeit als Lernvideo aufbereitet und bald verfügbar sein.

Immobilien & Projektfinanzierung

Kompetenzfeld: K-02 Branchenwissen | Stufe: Sparringspartner | Dauer: 1 Tag (Case Study Workshop)


Kapitel

Warum dieses Modul?

Immobilien- und Projektfinanzierungen gehören zu den komplexesten und ertragsstärksten Produkten im Firmenkundengeschäft. Wer einen Bauträger mit demselben Analyseschema bewertet wie einen Bestandshalter, riskiert entweder Übervorsicht – und verliert den Kunden – oder Naivität – und unterschätzt das Bauträgerrisiko. Dieses Modul vermittelt das notwendige Urteilsvermögen auf Sparringspartner-Niveau (Dreyfus-Stufe 3): situativ, kontextgerecht und entscheidungssicher.


Kapitel

Theorie-Input 1: Kundentypologie der Immobilienfinanzierung

Drei Grundtypen – drei Risikolandschaften

Typ 1: Bestandshalter Kauft Immobilien, hält sie im Eigentum, finanziert sich aus laufenden Mieteinnahmen. Typisch: Wohnungsgesellschaften, Gewerbeimmobilieneigentümer, Ärztezentrumsbetreiber.

  • Cashflow: Stabile, planbare Mieteinnahmen
  • Kernkennzahl: DSCR (Kapitaldienst-Deckungsgrad)
  • Hauptrisiko: Leerstand, Mieterbonitätsrisiko, Instandhaltungsstau

Typ 2: Bauträger Errichtet Immobilien zur sofortigen Veräußerung (typisch: Eigentumswohnungen). Kein laufender Miet-Cashflow – Rückfluss ausschließlich aus Verkaufserlösen nach Fertigstellung.

  • Cashflow: Erst nach Verkauf, Kapital bis dahin vollständig gebunden
  • Kernkennzahl: LTV (bezogen auf Verkaufserlöse), Vorverkaufsquote
  • Hauptrisiko: Fertigstellungsrisiko, Absatzrisiko, Kostenüberschreitungen

Typ 3: Projektentwickler Entwickelt komplexere Projekte (Büro, Einzelhandel, gemischt genutzte Quartiere) oft für institutionelle Endinvestoren.

  • Laufzeit: 3–5 Jahre, ggf. Konsortialfinanzierungen mit DZ BANK
  • Kernkennzahl: Projektrendite, Vorvermietungsquote
  • Hauptrisiko: Langer Projekthorizont, Genehmigungsrisiken, Zinsänderungsrisiken

Merksatz: Bestandshalter-Risiken sind Marktrisiken (Miete, Leerstand). Bauträger-Risiken sind Ausführungsrisiken (Bau, Kosten, Zeit, Absatz). Diese Unterscheidung bestimmt die Risikoeinpreisung.


Kapitel

Theorie-Input 2: Beleihungswertermittlung nach BelWertV

Warum der Beleihungswert kein Marktwert ist

Der Beleihungswert (BW) ist nach § 16 PfandBG die entscheidende Kreditgröße – er filtert Marktüberhitzungen, spekulative Preissteigerungen und kurzfristige Verzerrungen heraus. Er liegt typischerweise 10–20 % unter dem Marktwert.

Die zwei Hauptmethoden (§§ 8–17 BelWertV)

Ertragswertverfahren (bei vermieteten Objekten):

Rohertrag (nachhaltige Jahresmiete)
– Bewirtschaftungskosten (20–25 %)
= Reinertrag
– Bodenwertverzinsung (Liegenschaftszins × Bodenwert)
= Gebäudeertragswert (kapitalisiert über Restnutzungsdauer)
+ Bodenwert
= Ertragswert
– Sicherheitsabschlag (§ 12 BelWertV)
= Beleihungswert

Sachwertverfahren (bei selbst genutzten Objekten, Einfamilienhäuser, Fabrikhallen):

Bodenwert (Bodenrichtwert × Fläche)
+ Bauwert (NHK × Korrekturfaktor – Alterswertminderung)
= Sachwert
× Marktanpassungsfaktor
– Sicherheitsabschlag
= Beleihungswert

LTV-Grenzen (§ 14 PfandBG)

LTV (bezogen auf Beleihungswert)Einschätzung
< 60 %Pfandbrieffähig, konservativ
60–80 %Banküblicher Standardbereich
> 80 %Erhöhtes Risiko, Auflagen erforderlich

Kapitel

Theorie-Input 3: Die vier Schlüsselkennzahlen

LTV – Loan-to-Value

LTV = Kreditbetrag / Immobilienwert × 100

Bezugsgröße explizit angeben: Marktwert oder Beleihungswert.

DSCR – Debt Service Coverage Ratio

DSCR = Netto-Mieteinnahmen (NOI) / Jährlicher Kapitaldienst (Zins + Tilgung)
DSCRBewertung
> 1,25Solide – ausreichender Puffer
1,10–1,25Vertretbar – wenig Puffer
< 1,10Kritisch – erhöhtes Ausfallrisiko

ICR – Interest Coverage Ratio

ICR = EBIT / Zinsaufwand

ICR > 2,0 gilt als komfortabel. Relevant bei tilgungsfreien Phasen.

Nettoanfangsrendite (NAR)

NAR = Jahres-Nettomieteinnahmen / Kaufpreis × 100

Deutsche B-Städte (Ravensburg, Friedrichshafen): ca. 3,5–5,0 % für Wohnimmobilien.

Kennzahlen Bauträgerfinanzierung

Projektmarge: (Verkaufserlöse − GIK) / GIK × 100 – Zielgröße: ≥ 15–20 %

Vorverkaufsquote: Anteil notariell beurkundeter Einheiten vor Baubeginn – Mindeststandard: 30–50 %

EK-Quote am Projekt: Eigenkapital / GIK – Marktstandard: ≥ 20–30 %


Kapitel

Theorie-Input 4: Risikofelder der Bauträgerfinanzierung

RisikofeldBeschreibungRisikominderung
FertigstellungInsolvenz Bauunternehmer, technische Probleme, BehördenauflagenFertigstellungsbürgschaft, Tranchenauszahlung nach Baufortschritt
AbsatzEinheiten nicht zum Preis oder rechtzeitig verkauftVorverkaufsquote als Auszahlungsbedingung, konservative Wertansätze
KostenüberschreitungBaumaterial-/Lohnkosten chronisch gestiegen (+15–30 % seit 2020)GU-Festpreisvertrag, EK-Puffer ≥ 20–25 %, unabhängiger Bausachverständiger
Zinsänderung/LaufzeitSteigende Zinsen in Bauphase, Verzögerungen erhöhen ZinsbelastungZinssicherung (Swap, Cap), realistische Zeitplanung mit Puffer

Kapitel

Praxiscase: Quartier Sonnenhalde – Bauträgerfinanzierung Ravensburg

Das Unternehmen: Quartier Sonnenhalde GmbH & Co. KG, gegründet 2021, Erstentwickler mit einem abgeschlossenen Referenzprojekt (6 Einheiten Wangen i.A., 2023 vollständig verkauft). Geschäftsführer: Dipl.-Ing. (FH) Markus Feller (42 J.), 12 J. Berufserfahrung als Projektleiter.

Das Projekt:

  • 16 Eigentumswohnungen, Ravensburg-Südstadt
  • Baugenehmigung: März 2026, Baubeginn: Oktober 2026, Fertigstellung: Dezember 2027
  • Vorverkäufe: 4 von 16 Einheiten notariell beurkundet (25 %)

Projektfinanzierung:

PositionBetrag
Grundstück (EK, bereits bezahlt)1.200.000 EUR
Baukosten (GU-Festpreisvertrag)3.500.000 EUR
Architektur, Genehmigungen, Gutachten280.000 EUR
Vertrieb & Marketing180.000 EUR
Zinsen Bauphase (kalkuliert)180.000 EUR
Gesamtinvestitionskosten (GIK)5.340.000 EUR
Eigenkapital (25,1 %)1.340.000 EUR
Kreditbedarf (Anfrage VR-Bank)4.000.000 EUR

Prognostizierte Verkaufserlöse:

KategorieWEØ Preis/m²Ø GrößeGesamterlös
2-Zi.-Wohnungen64.800 EUR65 m²1.872.000 EUR
3-Zi.-Wohnungen74.600 EUR88 m²2.833.600 EUR
4-Zi.-Wohnungen34.500 EUR108 m²1.458.000 EUR
Gesamt166.163.600 EUR

Aufgaben:

Aufgabe 1 – Kundentypologie und Risikoprofil (LZ-1): Ordnen Sie das Unternehmen einer der drei Typologien zu. Leiten Sie die drei wesentlichsten Risiken für die VR-Bank ab und priorisieren Sie diese.

Aufgabe 2 – Kennzahlenanalyse (LZ-2/LZ-3): Berechnen Sie: a) Projektmarge, b) LTV (bezogen auf Verkaufserlöse), c) Vorverkaufsquote wertmäßig. Bewerten Sie: Sind die Kennzahlen im marktüblichen Rahmen? Warnsignale?

Aufgabe 3 – Kreditstruktur und Empfehlung (LZ-4/LZ-5): a) Welche Risikofelder aus TI-4 sind am stärksten ausgeprägt? b) Welche 3 Kreditauflagen (Covenants) empfehlen Sie? c) MünchenerHyp / DZ BANK einbinden – ja oder nein?


Kapitel

Praxistransfer (4-Wochen-Aufgabe)

Analysieren Sie einen Ihrer bestehenden Immobilienkunden:

  1. Typologisierung: Bestandshalter, Bauträger oder Projektentwickler? Welche Merkmale bestimmen die Einordnung?
  2. Kennzahlenanalyse: Berechnen Sie ≥ 2 der vier Kennzahlen. Vergleichen Sie mit den Richtwerten aus diesem Modul.
  3. Risikoeinschätzung: Welche der vier Risikofelder sind am stärksten ausgeprägt? Welche Risikominderungsmaßnahmen fehlen noch?
  4. Beratungsansatz: Formulieren Sie eine konkrete Gesprächsfrage für den nächsten Kundentermin. Notieren Sie das Ergebnis.

Kapitel

Quellen

  • Anderson, L. W. & Krathwohl, D. R. (Hrsg.). (2001). A Taxonomy for Learning, Teaching, and Assessing. Longman.
  • Beleihungswertermittlungsverordnung [BelWertV] i.d.F. vom 12. Mai 2006 (BGBl. I S. 1175).
  • Dreyfus, H. L. & Dreyfus, S. E. (1986). Mind over Machine. Free Press.
  • Gondring, H. (2022). Immobilienwirtschaft (4. Aufl.). Vahlen.
  • Schulte, K.-W., Bone-Winkel, S. & Focke, C. (Hrsg.). (2016). Handbuch Immobilien-Investition (3. Aufl.). Immobilien Manager Verlag.
  • Verband deutscher Pfandbriefbanken [vdp]. (laufend). Immobilienpreisstatistik. pfandbrief.de.

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