FKA

Benedikt Zoller Coaching

Firmenkundenakademie

AkademieK-04 Vertrieb & ErtragsoptimierungCross-Selling systematisch

M13

Cross-Selling systematisch

Kundenpotenziale durch bedarfsorientiertes Cross-Selling und Wallet-Share-Analyse erschließen

Berater90 Min.Bloom 2–4

Position in der Kompetenzmatrix

K-04 Vertrieb & Ertragsoptimierung · Berater

Dieses Modul zahlt auf das Kompetenzfeld K-04 Vertrieb & Ertragsoptimierung ein und adressiert die Entwicklungsstufe Berater.

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Dieses Modul wird derzeit als Lernvideo aufbereitet und bald verfügbar sein.

Stand: v0.1 · Benedikt Zoller Coaching


Kapitel

Modulinhalte

Definition

Cross-Selling bezeichnet den Verkauf ergänzender Produkte oder Dienstleistungen an einen bestehenden Kunden, der bereits eine Bankbeziehung unterhält. Im Firmenkundensegment umfasst das neben klassischen Bankprodukten auch die Leistungen der Verbundpartner: Versicherungen (R+V), Kapitalanlage (Union Investment), Bauspar/Baufinanzierung privat (Schwäbisch Hall), gewerbliche Immobilienfinanzierung (MünchenerHyp) und Kapitalmarktlösungen (DZ Bank).

Die zeb-Firmenkundenstudie (2020) zeigt: Der durchschnittliche Wallet-Share einer VR-Bank im Firmenkundensegment liegt bei rund 35–40 %. Das bedeutet: 60–65 % des Finanzierungsbedarfs und der Finanzdienstleistungen dieser Kunden werden anderswo gedeckt.

Cross-Selling ist kein Verkaufsakt. Es ist das konsequente Ausfüllen eines Bedarfs, den der Kunde ohnehin hat – bei der eigenen Bank oder einem Wettbewerber.

Zwei Typen: Push vs. Pull

TypBeschreibungRisiko
Push-Cross-SellingProduktorientiert: Der Berater verkauft, was er verkaufen soll (Kampagne, Quartalsziel).Kundenzufriedenheit sinkt, wenn Produkt nicht zum Bedarf passt. Beziehungsschaden möglich.
Pull-Cross-SellingBedarfsorientiert: Der Berater erkennt einen Bedarf und macht ein passendes Angebot.Skaliert langsamer, aber nachhaltiger. Höhere Abschlussquote und Kundenloyalität.

Rackham (1988) und Hanan (1970) zeigen übereinstimmend: In komplexen Kundenbeziehungen führt Push-Selling langfristig zu Vertrauensverlust. Der bedarfsorientierte Ansatz erzeugt mehr Ertrag pro Gespräch und stabilere Geschäftsbeziehungen.

Kapitel

4.2 Wallet-Share-Analyse: Wo liegt das Potenzial?

Das Konzept

Der Wallet-Share bezeichnet den Anteil der eigenen Bank am Gesamtvolumen der Finanzdienstleistungen, die ein Kunde nutzt. Ein Firmenkunde mit einem Gesamtbedarf von 5 Mio. EUR (Kredit, Absicherung, Kapitalanlage, Zahlungsverkehr, privat) und einer Hauptbankbeziehung von 2 Mio. EUR hat einen Wallet-Share von 40 %.

Das unausgeschöpfte Potenzial von 60 % ist nicht verloren – es ist bei einem Wettbewerber.

Potenzialanalyse in agree

agree bietet über das CRM-Modul und den UnternehmerDialog strukturierte Hilfsmittel zur Potenzialanalyse. Berater sollten vor jedem Jahresgespräch folgende Felder prüfen:

DimensionFrageDatenquelle in agree
FinanzierungsvolumenWelche Verbindlichkeiten hat der Kunde bei uns vs. geschätztes Gesamtvolumen?Kontostamm, Kreditakte
AbsicherungWelche R+V-Policen bestehen? Existieren Schutzlücken (Betriebsunterbrechung, D&O)?Verbundpartner-Cockpit
ZahlungsverkehrAbwickelt der Kunde alle Zahlungen über uns? Auslands-ZV?Kontoanalyse
KapitalanlageGibt es Rücklagen? Wo liegen diese (eigene Bank / Wettbewerber)?Beratungsprotokoll
Privat / GesellschafterFührt der Unternehmer seine Privatkonten bei uns? Bausparen?Verknüpfte Privatkundendaten

Empfehlung: Erstellen Sie für Ihre Top-20-Kunden eine einfache Wallet-Share-Schätzung anhand dieser fünf Dimensionen, bevor Sie das Jahresgespräch vorbereiten.

Kapitel

4.3 Der 4-Schritte-Cross-Selling-Prozess

Systematisches Cross-Selling folgt einem klaren Prozess – nicht dem Zufall eines Gesprächsmoments.

Schritt 1: Analyse

Wer? Welcher Kunde hat das größte unausgeschöpfte Potenzial? Was? In welchem Bedarfsfeld liegt das Potenzial (Finanzierung, Absicherung, Anlage, ZV)? Datenquellen: agree CRM, Jahreskontospiegel, Kreditakten, Verbundpartner-Cockpit

Ergebnis: Eine priorisierte Liste von 3–5 Cross-Selling-Hypothesen für diesen Kunden.

Schritt 2: Hypothese formulieren

Eine Cross-Selling-Hypothese verknüpft einen beobachteten Kundenbedarf mit einem konkreten Lösungsansatz. Gutes Format:

„[Kunde] hat [Situation/Signal]. Ich vermute deshalb, dass er [Bedarf] hat – passend dazu wäre [Lösung/Verbundpartner]."

Beispiel: „Herr Berger hat seinen Betrieb vor zwei Jahren auf eine GmbH umgewandelt. Ich vermute, dass eine D&O-Versicherung für den Geschäftsführer noch nicht geprüft wurde – passend wäre ein Gespräch mit R+V."

Schritt 3: Gespräch

Das Cross-Selling-Gespräch ist kein Verkaufsgespräch. Es ist eine bedarfsgeleitete Gesprächserweiterung. Der Einstieg erfolgt über eine offene Frage zur Situation – nicht mit einem Produktvorschlag.

Gesprächseinstieg nach SPIN (Rackham, 1988):

  1. Situationsfrage: „Wie haben Sie aktuell Ihre Betriebsunterbrechungsrisiken abgesichert?"
  2. Problemfrage: „Gibt es Bereiche, bei denen Sie sich fragen, ob das ausreicht?"
  3. Implikationsfrage: „Was würde ein Ausfall von zwei Wochen für Ihren Betrieb bedeuten?"
  4. Nutzenfrage: „Was wäre für Sie die ideale Lösung, wenn das Risiko vollständig gedeckt wäre?"

Erst nach diesem Verlauf folgt der Produktvorschlag – oder die Einbeziehung des Verbundpartners.

Schritt 4: Dokumentation

Jede Cross-Selling-Aktivität wird in agree dokumentiert:

  • Besprochene Bedarfsfelder
  • Ergebnis (Abschluss / offen / kein Bedarf)
  • Nächste Schritte und Folgetermine
  • Verbundpartner-Übergabe (falls relevant)

Ohne Dokumentation entsteht kein Lerneffekt und kein systematischer Überblick über den Bearbeitungsstand im Bestand.

Kapitel

4.4 Verbundpartner-Matrix

Die Stärke der VR-Bank liegt im Verbund. Welcher Verbundpartner ist für welches Bedarfsfeld relevant?

BedarfsfeldVerbundpartnerTypische Produkte
Betriebliche AbsicherungR+V VersicherungBetriebshaftpflicht, Betriebsunterbrechung, Cyber, D&O
PersonenabsicherungR+V VersicherungSchlüsselpersonenversicherung, BU Geschäftsführer
Kapitalanlage UnternehmenUnion InvestmentLiquiditätsparker, Festzinsanlagen, Unternehmenspension
Kapitalanlage privatUnion InvestmentAltersvorsorge Gesellschafter, VL
Privates Bau-/WohneigentumSchwäbisch HallBausparvertrag, Baufinanzierung Gesellschafter
Gewerbliche ImmobilienfinanzierungMünchenerHypLangfristige Immobiliendarlehen > 10 Jahre
Kapitalmarkt / DerivateDZ BANKZinsabsicherung (Swap), Devisentermingeschäfte
FördermittelKfW / L-BankInvestitionsfinanzierung mit Fördermitteln

Praxisempfehlung: Nutzen Sie das Verbundpartner-Cockpit in agree für einen schnellen Überblick, welche Verbundprodukte ein Kunde bereits hält – und wo noch keine Beziehung besteht.

Kapitel

4.5 Praxiscase: Vom Kreditgespräch zum Vollbankverbund

Ausgangssituation

Berater Markus Hofer betreut einen Maschinenbauzulieferer mit 28 Mitarbeitern und einem Jahresumsatz von ca. 4,2 Mio. EUR. Die Hauptbankbeziehung besteht seit acht Jahren: Kontokorrent, ein Investitionsdarlehen (läuft noch 3 Jahre), Zahlungsverkehr. Die Geschäftsbeziehung ist stabil, aber „flach" – kein Verbundpartner ist eingebunden.

Vor dem Jahresgespräch analysiert Markus den Kunden in agree:

DimensionIst-StandHypothese
FinanzierungInvestitionsdarlehen 380.000 EURMaschinenerneuerung geplant (laut letztem Gespräch) → neue Finanzierung in ca. 12 Monaten
AbsicherungKeine R+V-VerbindungBetriebsunterbrechung? D&O für Gesellschafter-GF?
KapitalanlageNicht bekanntBetriebliches Liquiditätspuffer? Gesellschafter-Altersvorsorge?
ZahlungsverkehrInlands-ZV vollständigAuslandszahlungen gehen über Commerzbank
PrivatKeine VerbindungGesellschafter Eigenheim unbekannt

Markus formuliert drei Cross-Selling-Hypothesen und wählt für das Jahresgespräch eine als Einstieg: die Betriebsunterbrechungsversicherung – weil der Kunde im Vorgespräch erwähnte, dass eine CNC-Maschine letztes Jahr zwei Wochen ausgefallen war.

Das Gespräch

Markus eröffnet das Jahresgespräch strukturiert. Nach 20 Minuten Rückblick und Ausblick auf das laufende Geschäft lenkt er das Gespräch gezielt:

„Sie hatten letztes Jahr den Ausfall der CNC-Anlage erwähnt. Wie haben Sie die zwei Wochen finanziell abgefedert?"

Der Kunde: „Ehrlich gesagt war das eng. Wir haben aus den Rücklagen überbrückt – aber das war ungeplant."

Markus: „Was würde es für Sie bedeuten, wenn so ein Ausfall von Ihrer Versicherung vollständig gedeckt wäre – also Umsatzausfall, Fixkosten, alles?" (Nutzenfrage)

Kunde: „Das wäre natürlich optimal."

Markus vereinbart einen Folgetermin mit dem R+V-Gewerbeberater – keine sofortige Produktpräsentation, aber ein klarer nächster Schritt.

In derselben Sitzung identifiziert Markus eine weitere Hypothese: Der Gesellschafter ist 54 Jahre alt, kein Pensionsplan bekannt. Er notiert dies in agree als Folgeaktivität: Union Investment Betriebliche Altersvorsorge – Gesprächsaufhänger beim nächsten Kontakt.

Ergebnis nach 3 Monaten

  • R+V Betriebsunterbrechung: Police abgeschlossen
  • Auslands-ZV-Beratung: vereinbart (Wettbewerb-ZV analysieren)
  • BAV Gesellschafter: Erstgespräch Union Investment angebahnt
  • Wallet-Share-Schätzung: von 40 % auf voraussichtlich 55 % nach Umsetzung

Reflexionsfragen

  1. Warum war die Frage zur CNC-Maschine der beste Gesprächseinstieg – und nicht ein direktes Versicherungsangebot?
  2. Welche der drei Cross-Selling-Hypothesen hat Markus im Gespräch selbst nicht angesprochen – und warum war das richtig?
  3. Welche zwei Kunden aus Ihrem eigenen Bestand hätten ein ähnliches Profil wie dieser Metallbaubetrieb?
Kapitel

4.6 Arbeitsblätter

Arbeitsblatt A: Wallet-Share-Analyse

Kundenname (anonymisiert): ___________________________ Datum: _______________

DimensionAktueller Stand (uns bekannt)Schätzung GesamtbedarfWallet-Share (%)Cross-Selling-Potenzial
Finanzierung
Absicherung
Kapitalanlage
Zahlungsverkehr
Privat/Gesellschafter
Gesamt

Meine Top-2 Cross-Selling-Hypothesen für diesen Kunden:



Arbeitsblatt B: Cross-Selling-Gesprächsvorbereitung

Ausgewählte Hypothese: ___________________________

SchrittMeine Vorbereitung
Situationsfrage
Problemfrage
Implikationsfrage
Nutzenfrage
Verbundpartner / Lösung
Dokumentation in agree

5. PRAXISTRANSFER


Kapitel

Praxistransfer

Aufgabe (in den nächsten 2 Wochen):

Wählen Sie fünf Kunden aus Ihrem Bestand, mit denen in den nächsten 4–8 Wochen ein Gespräch ansteht. Führen Sie für jeden die Wallet-Share-Analyse (Arbeitsblatt A) durch und formulieren Sie mindestens eine Cross-Selling-Hypothese.

Führen Sie anschließend bei einem dieser Kunden das Cross-Selling-Gespräch nach dem 4-Schritte-Prozess:

  1. Analyse: agree-Auswertung + Arbeitsblatt A
  2. Hypothese: Formuliert nach dem Schema „[Situation] → [Bedarf] → [Lösung]"
  3. Gespräch: SPIN-Einstieg, kein direkter Produktvorschlag zu Beginn
  4. Dokumentation: Ergebnis und Folgeaktivität in agree erfassen

Bringen Sie die Wallet-Share-Analyse von zwei Kunden (anonymisiert) in die nächste Teambesprechung mit – Zeitrahmen 5 Minuten, Fokus: Was haben Sie identifiziert, was haben Sie noch nicht gewusst?

Kapitel

5.2 Selbstcheck nach 4 Wochen

AussageTrifft voll zu (4)Trifft überwiegend zu (3)Trifft eher nicht zu (2)Trifft nicht zu (1)
Ich kann Push- und Pull-Cross-Selling klar unterscheiden und begründen, warum Pull nachhaltiger ist.
Ich habe für mind. 5 Kunden eine Wallet-Share-Schätzung durchgeführt.
Ich habe mind. 1 Cross-Selling-Gespräch nach dem 4-Schritte-Prozess geführt.
Ich kenne für jede Bedarfsdimension den richtigen Verbundpartner.
Ich habe Cross-Selling-Aktivitäten konsequent in agree dokumentiert.
Ich steige in Cross-Selling-Gespräche über Bedarfsfragen ein – nicht mit Produktvorschlägen.

Auswertung:

  • 20–24 Punkte: Sehr guter Transfer – Kompetenzstufe M13 erreicht
  • 14–19 Punkte: Guter Einstieg – Prozess weiter verinnerlichen
  • unter 14 Punkte: Vertiefung empfohlen: Rollenspiel Cross-Selling-Gespräch mit Kollegen
Kapitel

5.3 Vertiefungsliteratur

Bankfachlich

  • zeb consulting (2020): Firmenkundenstudie 8.0 – Wallet-Share-Daten, Benchmark-Penetrationsraten
  • Roland Berger (2024): KMU-Banking: Firmenkundenberater 2.0 – Digitale Potenzialanalyse
  • BVR: Cross-Selling-Leitfaden für Volksbanken und Raiffeisenbanken (Intranet, aktuell)

Gesprächsführung

  • Rackham, N. (1988): SPIN Selling – Kapitel 4–6: Von impliziten zu expliziten Bedarfen
  • Hanan, M. (1970): Consultative Selling – Grundlagen bedarfsorientierter Gesprächsführung

Verbundpartner-Materialien

  • R+V Versicherung: Produktschulungen Gewerbe (Verbund-Intranet)
  • Union Investment: Firmenkunden-Beratungsmodule (VR-NetWorld)
  • Schwäbisch Hall: Gewerbeimmobilien und Baufinanzierung privat für Unternehmer (Intranet)

7. QUELLENVERZEICHNIS

Kapitel

Didaktik & Kompetenzentwicklung

Anderson, L.W. & Krathwohl, D.R. (Hrsg.). (2001). A Taxonomy for Learning, Teaching, and Assessing: A Revision of Bloom's Taxonomy of Educational Objectives. Addison Wesley Longman. [Q-001]

Dreyfus, H.L. & Dreyfus, S.E. (1986). Mind over Machine: The Power of Human Intuition and Expertise in the Era of the Computer. Free Press. [Q-004]

Kapitel

Bedarfsanalyse & Vertrieb

Hanan, M. (1970). Consultative Selling. AMACOM. [Q-123]

Kumar, V. & Reinartz, W. (2018). Customer Relationship Management: Concept, Strategy, and Tools (3rd ed.). Springer. [Q-133]

Rackham, N. (1988). SPIN Selling. McGraw-Hill. [Q-122]

Kapitel

Bankfachliche Quellen

Roland Berger. (2024). KMU-Banking: Firmenkundenberater 2.0. Roland Berger. [Q-021]

zeb consulting. (2020). Firmenkundenstudie 8.0. zeb. [Q-020]

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